ZEN-IMPULS 22. WOCHE

WUNSCHLOS GLÜCKLICH?

Wie viele Menschen essen, wenn sie gar nicht wirklich hungrig sind. Oft befriedigen wir unseren „kleinen Hunger“, wenn wir müde, deprimiert und nervös sind oder es uns an Gesellschaft mangelt. Unsere Bedürfnisse und Wünsche sind so miteinander vermischt, dass es uns schwerfällt, überhaupt zu erkennen, wann wir wirklich Hunger haben. Mit wenig zufrieden zu sein bedeutet, wirkliche Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen, ohne ihnen anzuhaften oder mehr haben zu wollen. Natürlich brauchen wir ein bestimmtes Maß an Nahrung, Bewegung, Schlaf, Sonne und menschlicher Wärme, aber viele Wünsche haben gar nichts mit unseren wahren Bedürfnissen zu tun.

Jeder kann über die hier veröffentlichten Zen-Impulse mit uns gemeinsam auch aus der Ferne meditieren. Der Zenkreis Linker Niederrhein wurde Anfang 2008  ins Leben gerufen, um allen Suchenden Gelegenheit zu bieten, traditionelle Meditationsmethoden aus Fernost kennenzulernen und gemeinsam zu praktizieren. Inzwischen hat sich unsere Sangha zu einer echten Gemeinschaft entwickelt. In der Regel treffen wir uns zweimal im Monat sonntagabends von 19.00 bis 21.00 Uhr in der Yoga-Oase Geldern, Am Geesthof 4, zur Meditation. Darüber hinaus meditieren wir jeden Sonntag um 19 Uhr, wo immer wir uns befinden, in gemeinsamer Verbundenheit.

Unsere normalen Meditationsabende beginnen mit einer kleinen Teezeremonie (Sarei) und einem Kurzvortrag zur Zen-Praxis oder buddhistischen Lehre. Es folgen zwei Runden Sitzmeditation (Zazen) von ca. 30 min. Dauer, dazwischen ca. 10 min. Gehmeditation (Kinhin). Zum Abschluss rezitieren wir das Herz-Sutra. Danach bietet sich beim Tee noch Gelegenheit zum Gedankenaustausch.

Anfänger/-innen lernen zunächst die äußeren Voraussetzungen für Meditation kennen: Wir sitzen in Stille entspannt und wach auf einem Kissen oder Bänkchen. Mit ruhigem Geist verweilen wir im gegenwärtigen Augenblick. Um unsere Konzentrationsfähigkeit zu steigern, üben wir uns in Achtsamkeit bei allen Tätigkeiten des normalen Lebens: Denn Zen bereitet uns darauf vor, die in der Meditation erfahrene Ruhe und Bewusstheit auch im hektischen Alltag zu bewahren. – Bequeme dunkle Kleidung ist empfehlenswert, es besteht die Möglichkeit, sich vor bzw. nach dem Sitzen umzuziehen. Von den Teilnehmern wird – als Beteiligung an den Mietkosten für den Übungsraum – eine kleine Spende erbeten.

Nähere Einzelheiten findest du unter: www.zen-weg.de.  Wenn du mit uns meditieren möchtest, verabrede bitte mit unserem Meditationslehrer vor dem ersten Mal eine kurze Einweisung: Gregor Behrendt, Telefon 02831 9766260

 

BISHERIGE ZEN-IMPULSE

21. Woche

NUR UNSERE WAHRE NATUR

In der Meditation können wir manchmal tiefe Bewusstseinszustände erlangen, in denen das Ego aufhört zu existieren. Dieses „illusorische Ich“ löst sich in der meditativen Versenkung einfach auf. Unser Geist aber ist immer noch da, hellwach und vollkommen klar. Und wir erkennen, dass da nichts ist außer reines Bewusstsein, das sich seiner selbst gewahr wird. So können wir uns davon überzeugen, dass im gegenwärtigen Nur-Sein nichts von einem Ego-Gefühl zu spüren ist. Damit brauchen wir auch nicht mehr an den Gefühlen und Stimmungen, dem Wollen, Müssen, Sollen und all den Gedanken anzuhaften, die das Ego alltäglich produziert. Und dennoch ist da etwas Geheimnisvolles tief in uns allen: Unsere wahre Natur.

20. Woche

DIE WAHRE STILLE DES GEISTES

Wer Gelegenheit hat, einmal draußen in der Natur zu meditieren, kann Klänge wahrnehmen, die er bis dahin kaum bemerkt hat, wie etwa das Seufzen des Windes im Schilf, das Knarren der Bäume, das Gurgeln des Baches oder das feinste Zirpen winziger Wesen. All das wird mit neuen Ohren gehört und erscheint wie ein Nachhall von Sphärenmusik. Wenn wir uns mit vollkommener Achtsamkeit diesen Bildern und Klängen hingeben, werden sich alle kleinlichen Alltagssorgen auflösen und die Wellen des Denkens glätten. Mit der Zeit werden auch die Schönheiten der Natur aus dem Bewusstsein verschwinden, bis nichts mehr übrig bleibt als leere Weite. Diese helle Klarheit ist die wahre Stille des Geistes.

19. Woche

ZEIT FÜR NÄCHSTENLIEBE

Wer sich ständig benachteiligt oder bedroht fühlt, hat keine Zeit für Mitgefühl und Nächstenliebe, weil er seine ganze Achtsamkeit auf die Abwehr aller möglichen Gefahren richtet. Wenn man jedoch die Ursache dafür in seinem illusorischen Ich erkennt, hat man die Chance aus dem Kreislauf der Ängste und Aggressionen auszubrechen. Denn dann wäre man bereit, das, was egoistische Personen nur für sich selbst tun, gern auch für andere zu tun. – Ein hoffnungsvolles Beispiel: Wenn heute immer mehr Menschen freiwillig Schutzmasken tragen, um andere zu schützen, dann tun sie das vielleicht auch aus Nächstenliebe.

18. Woche

NATÜRLICH ABER HART

Naturkatastrophen wie Waldbrände, Überschwemmungen und Orkane sind für die meisten von uns furchtbar und unverständlich, aber für unsere Erde ebenso nötig wie warmer Sonnenschein, Frühlingsregen und frische Brisen. Schöpfung und Zerstörung sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein Jahreszyklus umfasst Entstehen, Wachstum, Vergehen und Transformation. Alle Jahreszeiten sind einmalig wunderbar, keine ist besser oder schlechter als die andere.

Enge Verbundenheit mit der Natur führt dazu, ihre scheinbare Grausamkeit ebenso zu schätzen wie ihre liebende Güte, und damit zu einem besseren Verständnis des kosmischen Plans. Wer durch tiefe Versenkung zu den Geheimnissen des Seins vordringt, kann in jeder Veränderung eine vollkommene Manifestation des universellen Wirkens erkennen.

In Krisenzeiten wie heute tut es besonders gut, durch Felder, Wälder und Landschaften zu streifen und hierüber nachzusinnen – mit Offenheit und Toleranz für alles, was geschehen mag: Denn das hilft uns, einen Geisteszustand voller Gelassenheit und Demut zu entwickeln, für den wir sehr dankbar sein können, wenn wir es in unserem Leben einmal selbst mit Rückschlägen zu tun bekommen.

17. Woche

IM EINKLANG MIT DER NATUR

Die Natur ist perfekt und lehrt uns, das Richtige zu tun, d.h. nach ihren Gesetzen zu leben. In der Meditation spüren wir die Verbundenheit mit der Natur, indem wir uns auf den gegenwärtigen Augenblick konzentrieren. Doch das ist nicht einfach, denn unser Denken dreht sich ständig um Dinge, die längst vergangen oder noch gar nicht geschehen sind. – Sitzmeditation dient vor allem dazu, seinen Geist von überflüssigen Gedanken, Sorgen und Wünsche zu befreien. Das Richtige zu tun bedeutet auch, unser Sein mit unseren Taten zu vereinen: Reden ist Zen, Gehen ist Zen. Und seine Schuhe gründlich zu pflegen, ist natürlich ebenfalls eine Form der Zen-Meditation – genauso wie, nach Erkenntnis zu streben.

16. Woche

DER WEG INS NIRGENDWO

Für viele ist es unendlich enttäuschend, nach Jahren der Übung feststellen zu müssen, dass sie der Erleuchtung keinen Schritt nähergekommen sind. Diese Erfahrung kann jedoch zur großen Befreiung führen. Denn rückblickend wirst du erkennen, wie verblendet du warst – voller Illusionen im Dualismus verstrickt, vollkommen ichbezogen und kleingeistig. Was wir für die Wirklichkeit gehalten haben, ist es tatsächlich nicht. Wir dachten Wissen und Verstehen ist der Zen-Weg. Aber das Verblüffende ist, einfach Sitzen und Nichtstun hat unseren Geist befreit. Die simple Wahrheit ist:  Es gibt keinen Pfad zur Erleuchtung. – Wenn wir im wirklichen Nirgendwo erwacht sind, dann sind wir uns ganz sicher, dass es nichts zu erreichen gab, weil wir immer schon dort waren. Nur hatten wir ES wegen unserer Verblendung weder gespürt noch erahnen können.

15. Woche

SPIRITUELLE FREUNDSCHAFT

Eine Sangha ist so etwas wie eine spirituelle Familie, ein lebender Organismus. Das sind Menschen, die zusammen mit anderen einen guten Weg gehen wollen. Eine Gemeinschaft, die sowohl Verbindlichkeit und Geborgenheit bietet als auch Freiraum für Individualität ermöglicht. Auf jeden Fall gibt es dort jemanden, der uns zuhört und wiederaufbaut, wenn uns Schwierigkeiten und Zweifel plagen. Auch eine Sangha besteht aus Leuten mit guten und weniger guten Eigenschaften. Gemeinsam können wir von unseren Stärken profitieren und von den Schwächen lernen. Wer jedoch eine Gemeinschaft der Vollkommenen sucht, wird sehr lange suchen müssen.

14. Woche

MUT UND VERTRAUEN

Wahrhaft zu leben bedeutet, mit den Dingen zu sein, wie sie gerade sind. So kann uns jeder Moment unseres Lebens zu mehr Verständnis und Weisheit verhelfen. Dies macht die Meditationspraxis zu einem lebenslangen Prozess des Wachsens und Entdeckens. Wenn wir hinterfragen, was selbst Ausnahmesituationen uns lehren wollen, werden wir ihren Wert erkennen. Das kann beängstigend sein, aber nur durch die bedingungslose Hingabe an die Wirklichkeit können wir vollständig am Mysterium unseres Lebens teilhaben. Diese schwierige Aufgabe anzunehmen, erfordert sehr viel Mut und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.

13. Woche

EINSWERDEN MIT DER LEERE

Im Zen geht es nicht um heilige Schriften und äußere Rituale, sondern um die persönliche Erfahrung der Leerheit. Sie war immer da, und sie wird auch noch sein, wenn nichts mehr an das relativ kurze Gastspiel der Menschheit auf der Erde erinnert. Unser irdisches Dasein ist nur eine von zahllosen Möglichkeiten ihrer unendlichen schöpferischen Energie. Um die Leere in ihrer ganzen Kraft und Schönheit zu erleben, muss man eins werden mit ihr. Meditation kann uns dabei helfen.

12. Woche

KEINE ANGST VOR DER ANGST

Wir alle erleben gelegentlich Gefühle der Ungewissheit und Angst. In diesen Momenten neigen wir dazu, zu erstarren oder zu flüchten. Unsere mangelnde Bereitschaft, bei den Gefühlen zu bleiben, lässt uns innerlich in Deckung gehen, in der Hoffnung, dass die Angst verschwindet. Oder wir kämpfen gegen sie an, um uns nicht machtlos zu fühlen. Wieviel einfacher wäre es, diese Gefühle ohne Kampf und Widerstand zuzulassen. Wenn wir den Mut haben hinzuschauen, lockert sich unsere Panzerung und wir können ein wenig freier atmen.

11. Woche

VOM ICH BEFREIT

Wenn wir uns nicht mehr von der Illusion des Dualismus täuschen lassen, erkennen wir die ursprüngliche Einheit von Subjekt und Objekt, von Körper und Geist. Und wenn wir uns weder mit Dingen noch Gedanken, Emotionen usw. identifizieren, können wir die irrige Vorstellung von einem isolierten Ich-Gefühl überwinden und frei und ohne Angst durchs Leben gehen. Auch Albert Einstein hatte erkannt: „Der wahre Wert eines Menschen lässt sich daran messen, wie weit er sich von seinem Ich befreit hat“. – Im normalen Alltag müssen wir natürlich vom Ich reden, wenn wir uns miteinander verständigen wollen, – allerdings stets im Bewusstsein einer selbstlosen Perspektive.

10. Woche

DIE PERSPEKTIVE VERÄNDERN

Beim Meditieren machen wir immer wieder die Erfahrung, dass wir uns nicht konzentrieren können. Auch beim besten Willen nicht. Im Gegenteil! Je mehr wir uns anstrengen und kämpfen, desto frustrierender ist das Ergebnis. In solch einer verfahrenen Situation kann ein Wechsel der Perspektive mit einem Mantra sehr hilfreich sein, wie z.B.: „Möge ich die Kraft haben, das zu verändern, was ich ändern kann, die Geduld, zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit, den Unterschied zwischen beidem zu erkennen. Möge ich Gleichmut und Frieden finden.“

09. Woche

MEDITATION MACHT FREI

„Meditation kann dich von deinen Gedanken an Vergangenheit und Zukunft befreien. In dieser friedlichen Stille, in der auch die Zeit stillsteht, spürst du absolute „Geistesgegenwart“. Wenn du dann auch noch dein Beobachten und Bewerten aufgibst und die Realität um dich herum vergisst, wirst du vollkommene Freude und Liebe erleben. – Und was passiert, wenn du wieder in den Alltag zurückkehrst? Vergiss auch diesen Gedanken und sieh was geschieht! Vielleicht spürst du einen geistigen Wandel, der dir zu neuen Erkenntnissen und mehr Lebensfreude verhilft.“

08. Woche

ETHIK GEHÖRT ZUM ZEN

Spirituelle Praxis und ethisches Verhalten sind grundlegende Voraussetzungen für unsere Weiterentwicklung. Beides ist notwendig, um eine Balance zu finden zwischen spirituellen Werten auf der einen und dem modernen Leben auf der anderen Seite. Die Motive für ethisches Verhalten können wir aus der kosmischen Ordnung, aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit, aus der Liebe zu allem Lebendigen, zum Leben überhaupt und aus der Einsicht gewinnen, dass alles mit allem zusammenhängt.

07. Woche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

06. Woche

LEIDEN ALLEIN BRINGT NICHTS

Um seine Begierden zu bekämpfen und endlich erleuchtet zu werden, hat ein Mönch im Laufe seines Lebens auf alle Vergnügungen verzichtet. Selbst das Zölibat und regelmäßiges Kasteien sowie wochenlanges Fasten haben nichts gebracht. Jetzt am Ende seiner Tage suchte er ganz verzweifelt einen Einsiedler auf und klagte: „Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, jede Gier, jede Freude, jedes Verlangen aufgegeben, aber die Erleuchtung nicht erreicht. Was kann ich jetzt noch tun?“ Der Weise erwiderte: „Gib endlich dein Leiden auf!“

05. Woche

LEBEN OHNE ZU „KLEBEN“

„Überzogene Wünsche und Begierden führen fast immer zu Kummer und Sorgen. Begehren muss aber nicht die Quelle für menschliches Leid sein. Im Gegenteil: Es kann auch die Ursache für Glück und Zufriedenheit sein. Wo wären wir heute ohne Forscherdrang und Entdeckergeist, ohne Streben nach Eigentum und Sicherheit? Begehren und Sehnen sind ganz natürliche menschliche Bedürfnisse und gehören zum Leben wie Hunger und Durst. – Nicht besitzen wollen, hat in Asien eine andere Bedeutung als bei uns. Es heißt nicht, auf alles zu verzichten, sondern sich frei zu machen von der Idee, dass man überhaupt etwas real besitzen kann. Mit anderen Worten: Begehren, ohne anzuhaften, macht frei!“

04. Woche

ZUM SCHWEIGEN BRINGEN

„Sobald wir die Tätigkeit dieses rastlosen Intellektes zum Schweigen bringen können, geben wir dem intuitiven Bewusstsein, dem reinen, allverbundenen Geiste in uns, Gelegenheit, sich zu manifestieren“.    Lama Anagarika Govinda

03. Woche

ES IST HÖCHSTE ZEIT!

Nichts kehrt sich in sein Gegenteil, ehe nicht das Äußerste erreicht ist, prophezeit eine chinesische Weisheit. Das würde bedeuten, dass die drohende Klimakatastrophe kaum noch zu stoppen ist. Dabei fehlt es durchaus nicht an warnenden Expertisen, sondern liegt vor allem am politischen Willen sowie am Egoismus großer Teile der Gesellschaft. Es ist höchste Zeit, die Abhängigkeit des Menschen von Umwelt und Natur zu erkennen, um den ökologischen Kollaps der Erde durch ambitionierte Gegenmaßnahmen zu verhindern.

02. Woche 2020

SIND WIR NOCH ZU RETTEN?

Armut, Hunger, Gewalt und Grausamkeit auf der einen Seite. Und gleichzeitig die Gier nach Macht, Reichtum, Sicherheit und Sinneslust auf der anderen. Wenn man sich dann unsere Gesellschaft vorstellt mit ihrem Überfluss, ihrer Luxuswerbung und dem Verharmlosen von Klimakrise und Flüchtlingselend, muss auch dem Letzten klar werden, dass wir uns fundamental in die falsche Richtung bewegen. Da fallen einem nur noch die sarkastischen Worte ein: „Es gibt kein größeres Leid als das, was sich der Mensch selbst andeit.“ Sind wir noch zu retten?

53. Woche 2019 / 01. Woche 2020

ACHTSAM DURCH DEN ALLTAG

„Vielleicht trinkst du täglich Tee zum Frühstück. Aber eines Morgens ist alles anders. Du schenkst dir Tee ein, führst die Schale zum Mund und plötzlich wird dir klar: Noch nie hat der Tee so intensiv geduftet und der erste Schluck so köstlich geschmeckt. Hellwach spürst du, wie der Tee in deinem Mund zu einem Teil von dir wird. So bewusst hast du das Teetrinken bisher niemals wahrgenommen. Durch dein achtsames Tun verschwindet die Außenwelt und öffnet sich das innere Bewusstsein für eine solche Erfahrung. Indem wir Achtsamkeit im Alltag praktizieren, erleben wir die Wirklichkeit mit allen Sinnen.“

52. Woche

KOMM IN STILLE ZU DIR

Voller Leben, voller Bewusstsein, voll von einer unbeschreiblichen Sensibilität bist du zur Welt gekommen. Schau mal einem kleinen Kind in die Augen und nimm diese Frische wahr. All das wird im Lauf des Lebens bei den meisten Menschen von einer falschen Persönlichkeit zugedeckt. Wenn du das wieder loswerden möchtest, was dein wahres Wesen verschleiert, brauchst du nur in Stille zu dir zu kommen. Durch Meditation wirst du dann allmählich eine echte Lebendigkeit und geistige Gesundheit verspüren, die wieder aufblüht und Früchte trägt, weil sie in dir wurzelt.

51. Woche

EHRGEIZ MACHT BLIND

Will ein Bogenschütze einen Preis gewinnen, wird er unruhig. Schießt er gar um einen Goldpokal, trübt sich sein Blick und er gerät außer Fassung. Sein Können ist ihm nicht verloren gegangen, doch der Ehrgeiz macht ihn blind. Nicht das Ziel selbst bereitet Probleme, sondern der Grad der Anhaftung, mit der es verfolgt wird. Erst wenn der Bogenschütze schießt, ohne an den Erfolg zu denken, kann er seine ganze Kunst entfalten, hat der chinesische Philosoph Tranxu erkannt.

50. Woche

SCHÖN SCHLICHT, ABER . . .

Es mag einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten, Roben und Räucherwerk bei der Meditation zu erleben, aber das alles hat Buddha so nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Nur äußerliche Erfüllung von Geboten war auch Jesus zuwider. Für den Zen-Weg und die Meditation braucht man nichts Äußeres. Deshalb achten wir darauf, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird. Natürlich kann der äußere Rahmen auch „schön schlicht“ sein, aber auf die innere Einstellung kommt es an.

49. Woche

WAS WIRLICH ZÄHLT

„Wirst du unruhig, wenn du mal alleine bist? Brauchst du ständig Zerstreuung durch Radio, TV, Smartphone oder PC? Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mal keine Netzverbindung besteht. Denn das, was du an Unterhaltung vermisst, hat sowieso keinen bleibenden Wert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Es gehört nicht dir. Das bist du nicht. Wenn das Vergängliche und Unwesentliche nicht länger das Zeitlose und Echte in dir verdeckt, kommt das ans Licht, was wirklich zählt: Deine wahre Natur“.

48. Woche

WARUM SO UNZUFRIEDEN?

Hast du oft das Gefühl, dass das, was du tust oder erreichst, nicht gut genug ist? Ständige Unzufriedenheit kann unser ganzes Dasein vergiften. Heilung für dieses Problem ist aber durchaus möglich: Wir müssen nur erkennen, dass wir das Leben nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Wenn es gelingt, unsere selbstbezogene Perspektive abzulegen, brauchen wir weder den Vergleich mit anderen noch unsere eigene Unzulänglichkeit zu fürchten. Dann können wir unser Leben – zwar weniger perfekt, aber glücklicher – zum Wohl der Welt leben.

47. Woche

EINE SCHALE, EIN GEWAND

Mein Leben mag traurig erscheinen,
aber auf der Reise durch diese Welt
habe ich mich dem Himmel anvertraut.
In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
beim Herd ein Bündel Feuerholz.
Wenn jemand nach den Kennzeichen
von Erleuchtung oder Illusion fragt,
ich kann es nicht sagen –
Wohlstand und Ehre sind bloß Staub.
Wie der Abendregen fällt,
sitze ich in meiner Einsiedelei
und strecke beide Füße aus als Antwort.

Zen-Gedicht von Meister Ryôkan, der vor
rund 200 Jahren als Eremit in Japan lebte.

46. Woche

NUR DER WANDEL BLEIBT

Vergänglichkeit ist längst passé. Es gibt nur Wandel – von einer Energieform in die andere. Im Universum geht nichts verloren. Alles ist letztendlich nur Weiterführung. Die Wolke vergeht nicht, sondern verwandelt sich irgendwann in Regen. Aus Regen entsteht die Wasserader und die Fortsetzung der Wasserader ist die Quelle. Aus der Quelle wird ein Bach, dann ein Fluss, der schliesslich ins Meer mündet. Und die Weiterführung des Meeres ist die Wolke. Wo ist da ein Anfang oder Ende? Kein Entstehen, kein Vergehen – nur Wandel ohne Ende. Nichts bleibt, wie es ist.

45. Woche

VOM EGO ZU WIR

„Beruhigt sich der Atem – beruhigt sich der Körper – beruhigt sich der Geist. Erst wenn dein Geist in der Meditation vollkommen ruhig und klar ist und unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wird sich dir das Geheimnis der Stille enthüllen. Wenn du absolut empfänglich bist, wirst du die wortlose Sprache der Leere verstehen. Dann erkennst du, dass der Zen-Weg, die beschwerliche Reise vom Verstand zum Herzen war, von Logik zu Weisheit, von Gier zu Gleichmut – vom Ego zum Wir.“

44. Woche

OHNE ZWEIFEL KEIN DURCHBRUCH

Wenn man sich entschieden hat, den Zen-Weg zu gehen, wird man von Zeit zu Zeit von Zweifeln heimgesucht. Diese Art Verunsicherung kann auch eine Energiequelle für unsere Praxis sein; denn vor jedem großen Durchbruch herrscht meist ein großer Zweifel. Aber wenn man ständig alles anzweifelt, sich von allem distanziert und eine spirituelle Weiterentwicklung immer wieder hinauszögert, wäre es vielleicht heilsam und inspirierend, endlich mal an seinem Zweifel zu zweifeln.

43. Woche

WARUM SO UNGEDULDIG?

Grenzenlose Geduld ist die Voraussetzung, um höchste Erkenntnis und ihre Verwirklichung zu erlangen. Doch wieviel Geduld kann ein Mensch in unserer heutigen Zeit, in der alles immer noch schneller gehen muss, eigentlich erdulden? Auch das ist alles nur eine Frage der Übung. Willenskraft und Ausdauer lassen sich antrainieren und können uns zu mehr Besonnenheit, Standhaftigkeit, Sanftmut und Weisheit verhelfen. So betrachtet, kann ein geduldiger Mensch auf der Suche nach der Wahrheit eigentlich alles erreichen.

42. Woche

GELASSENHEIT UND VERTRAUEN

Wer spürt nicht hin und wieder den Wunsch, das eigene Leben von Grund auf spirituell auszurichten. Dafür ist es nie zu spät, aber auch nie zu früh. Wir brauchen den Weg nur bewusst zu gehen, Schritt für Schritt. Aus diesem tiefen Verlangen erwächst die Kraft, unsere Meditation verbindlich zu praktizieren und zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir einmal die Sicherheit in uns gefunden haben, dass wir, was auch immer im Leben geschieht, dem Weg und der Praxis treu bleiben, so verleiht uns das Gelassenheit und Vertrauen.

41. Woche

LEBE DEIN LEBEN

Wer ständig unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten das zu ändern: Es gibt ´ne Menge Leute, die dir sagen möchten, wie du dein Leben leben solltest. Aber sei vorsichtig! Guter Rat muss nicht teuer sein. – Oder: Anstatt dir andauernd zu wünschen, woanders zu sein und etwas anderes zu tun, suchst du die Antwort in dir selbst. Doch mach zuerst das, was jetzt erledigt werden muss. Dann setz dich auf dein Kissen und höre auf dein Herz. Alles andere ist überflüssig.

40. Woche

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

„Nur im zeitlosen Augenblick können wir uns jenem intuitiven, stillen Erkennen der Wahrheit nähern. Wenn wir den Geist beruhigt und gesammelt haben, wird uns vieles klarer. Wir durchschauen das Entstehen und Vergehen – und auch, wie wir uns dazu verhalten. Wir finden heraus, was unser Herz verschließt und wie wir es öffnen können. Dieser Weg – die Einsichts-Meditation – ist zwar einfach, aber keineswegs leicht. Doch: Übung macht den Meister!“

39. Woche

FREI DURCH SANNFTE DISZIPLIN

„Solange du von Wünschen und Gefühlen beherrscht wirst, fällt es dir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren. Eine der großen Kräfte und Stärken des Geistes, die wir als Gegengewicht zu den Begierden nutzen können, ist die Selbsteinschränkung. Wenn du diesen Weg einschlägst, wirst du die enge Beziehung von Selbsteinschränkung und Freiheit erkennen und dich schließlich auf „eine sanfte Art von Disziplin“ selbst befreien.“

38. Woche

GIB NIEMALS AUF

Möglicherweise hast du im Moment das Gefühl, dass dein Zen keine Fortschritte macht und überhaupt . . .  Gib bloß nicht auf – niemals. Alles, was deinen Weg blockiert, ist vielleicht nur die Idee, stecken zu bleiben. Lass diese Vorstellung los, praktiziere weiter und du wirst sehen, die Hindernisse lösen sich in Luft auf und du kannst ungehindert weitermachen. Meistens folgen auf große Zweifel ebenso große Fortschritte.

37. Woche

EINFACH GANZ NATÜRLICH

„Zazen ist natürlich und einfach,
wie jede alltägliche Handlung
(essen, trinken, wach sein, schlafen, …).
Ohne Anstrengung. Bewusst. Absichtslos.
Einfach nur sitzen. Einfach nur sein.“
von Britta Averbrock

36. Woche

SEI DAS MEER

„Einatmen, Ausatmen  –  Ebbe, Flut
Sonne, Mond  –  Tag, Nacht  –
Mehr ist es nicht.  –  Sei die Welle!  –  Sei das Meer!“
von Britta Averbrock

35. Woche

BLEIB AUTHENTISCH

Es ist nicht Ok, wenn du dir Mühe gibst, nett und tugendhaft zu sein, ohne dass du dich wirklich so fühlst. Die Welt hat genug Heuchler. Bleib authentisch, Zen wird auf dich aufpassen. Folge nur deinem Atem. Beobachte, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Zu einfach?    Aber das ist das Geheimnis!

34. Woche

MACH KLAR SCHIFF

Wenn dein Kopf voller Wünsche und Vorstellungen ist, hast du keinen Durchblick. Zen erscheint dir dann viel zu verwirrend. Aber das ist nicht so. Wir sind es nur nicht gewohnt, mit solcher Einfachheit umzugehen. Also räum deinen Geist auf, mach klar Schiff!

33. Woche

BRINGE LEBEN IN DIE BUDE

Wenn dein Heim dein ganzer Stolz ist, dein wichtigster Besitz, lass es nicht zu deinem Gefängnis werden. Stelle dir vor, es wäre nur eine Herberge, in der du zufällig Tag für Tag wohnst und wo sich hin und wieder Freunde und auch Fremde begegnen. Bring Leben in die Bude!

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