20/22: ENTSPANNTES STREBEN

20. Woche

ENTSPANNTES STREBEN

Es gibt Momente im Leben, da versuchen wir etwas besonders gut zu machen, indem wir unser Bestes geben, und merken nicht, wie sehr wir uns in eine Sache verbeißen. Unsere Ziele – koste es, was es wolle – verwirklichen zu wollen, macht uns anfällig für Scheitern und Enttäuschungen. Statt innerer Gelassenheit breiten sich Anspannung und Angst in uns aus.

Die beste Methode, unsere Ziele zu verwirklichen, ist „entspanntes Streben“, das heißt, wir sollten den „Druck ablassen“ und zu ehrgeizige Ziele anpassen oder auch ganz aufgeben. Paradoxerweise können wir unsere Ziele manchmal leichter erreichen, wenn wir loslassen und offen sind für das, was kommt.

Der chinesische Philosoph Tranxu machte das mit folgendem Beispiel deutlich: „Erst wenn der Bogenschütze schießt, ohne an den Erfolg zu denken, kann er seine ganze Kunst entfalten. Will er eine Bronzemedaille erringen, fängt er an, unruhig zu werden. Schießt er gar um den ersten Preis, trübt sich sein Blick, sieht zwei Ziele und ist nicht mehr er selbst. Sein Können ist ihm nicht verloren gegangen, doch ist es gespalten durch seine Absicht, den Preis zu gewinnen. Sein Sinn ist mehr auf die Trophäe gerichtet als darauf, die Scheibe zu treffen und seinen Geist leer werden zu lassen.“

 

19. Woche

IN DEINER MITTE

Im Zen-Impuls vergangener Woche wurde „Hara“ als Zufluchtsort erwähnt. Falls du dich mehr dafür interessierst, hier noch ein paar Erläuterungen: In fernöstlichen Kulturen gilt Hara als das Lebenszentrum, das sich im Bauch drei Fingerbreit unterhalb des Nabels befindet.

Hara bedeutet im übertragenen Sinn jene spirituelle Entwicklung des Menschen, in der er sich unabhängig macht vom Einfluss seines Ichs, um sich in der wahren Wirklichkeit zu verankern, die ihn befähigt, sich den Kräften des ursprünglichen Lebens zu öffnen. Im Hara ruht der Mensch im Quellraum seines Seins und Werdens. Und es würde nicht verwundern, wenn die Meditationspraxis, der das Prinzip menschlichen Werdens zugrunde liegt, hier ihren Ursprung gefunden hat.  

Wenn du beim Meditieren diesen Zufluchtsort aufsuchst, lasse eine Hand mit der Innenfläche auf dem Hara ruhen und lege die andere – die Daumen verschränkt – schützend darüber. Nimm die Berührung wahr und bleibe vollkommen achtsam bei deiner Mitte. Lass den Atem sanft in den Unterleib fließen und spüre, wie Hara zum sicheren Hafen wird – und du dich dort verankerst.

 

18. Woche

DEIN ZUFLUCHTSORT

Wer sehnt sich nicht in Zeiten wie diesen nach Sicherheit und Geborgenheit. Doch nur wenige wissen, dass sie in sich selbst einen Zufluchtsort finden können. – Zieh dich ganz in dich zurück und lass deinem Bewusstsein seinen Lauf. Erspüre dein Empfinden, wohin es dich führen möchte. Vermeide jede Absicht, jedes Suchen. Es geht hier eher um ein „Zulassen“ und weniger um ein „Tun“.

Verweile in ruhiger Achtsamkeit. Lass dir Zeit, deinen ganz individuellen inneren Zufluchtsort aufzuspüren – einen Bereich deines Körpers, indem du dich am wohlsten fühlen kannst: Vielleicht findest du ihn in der Nabelgegend, etwas unterhalb im „Hara“ oder darüber im Sonnengeflecht, vielleicht in der Herzgegend oder im oberen Brustraum, vielleicht im Bereich der Wirbelsäule, oberhalb oder etwas tiefer.

Wenn du deinen persönlichen Zufluchtsort – dein „Zuhause“ – gefunden hast, kannst du dich bei Bedarf jederzeit dorthin zurückziehen, um neue Energie zu tanken, Ängste zu überwinden und Mut zu schöpfen. Vielleicht erlebst du Vertrauen und Zuversicht, vielleicht auf natürliche Art, zu sein – einfach du selbst zu sein. Zu sich selbst zu finden – was könnte größer sein als das?

 

17. Woche

DIE NATUR ALLER DINGE

Durch unsere Übungen können wir einen geistigen Zustand erlangen, der uns ein zufriedenes und angstfreies Leben ermöglicht, indem wir in Harmonie mit dem Werden und Vergehen aller Phänomene leben. Vorausgesetzt, wir befassen uns mit den sog. „Drei Daseinsmerkmalen“, um die Realität so wahrzunehmen, wie sie wirklich ist.

Anicca, das erste Daseinsmerkmal, ist die Unbeständigkeit oder Vergänglichkeit. Bedingt entstandene Dinge befinden sich in ständigem Wandel. Nichts ist von Dauer, auch nicht unser Leben. Das mag verstandesmäßig offensichtlich erscheinen, aber dennoch hängen wir oft an Dingen, Menschen oder anderen Wesen, als würden sie permanent existieren.

Das zweite Daseinsmerkmal, Dukkha, bedeutet Leiden oder Unzufriedenheit. Im engeren Sinne entsteht Dukkha, wenn im Geist durch Unwissenheit und Verblendung die Bedingungen für Begehren, Anhaften, Ablehnen und Egoismus geschaffen werden.

Und schließlich Anatta wird mit Nicht-Selbst oder Ich-Losigkeit übersetzt. Das bedeutet, dass es in der Realität kein permanentes abgetrenntes Selbst gibt. Es heißt nicht, dass Realität nicht existiert oder dass all dies Illusion ist! Aber viele Menschen glauben fest daran, dass es ein separates, dauerhaftes Ich gibt. Und genau das ist die Illusion!

Indem wir die Existenz, Wirksamkeit und Folgen der Drei Daseinsmerkmale in der Meditationspraxis erforschen, können wir Eigenschaften wie Gleichmut und Gelassenheit entwickeln, um uns von der Ich-Illusion zu befreien.

 

16. Woche

BEFREIENDE EINSICHTEN

Meditation funktioniert am besten, wenn du alle Erwartungen aufgibst, sobald du auf dem Kissen sitzt. Meditiere einfach ohne eine bewusste Absicht dahinter. Für unseren westlichen Geist ist dies schwer vorstellbar. Sicher brauchen wir etwas Selbstdisziplin, um beim Meditieren nicht ständig abzuschweifen. Aber das ist schon alles.

Konzentriere dich vollkommen auf deine Übung und auf das, was in der Meditation auftaucht. Sobald wir den Gedankenstrom, der für gewöhnlich unseren Geist erfüllt, nicht mehr beachten, entsteht ein Gefühl des tiefen Friedens. Diese innere Ruhe ist der natürliche Zustand des Geistes und die Voraussetzung für tiefere Einsichten.

Einsichten tauchen meist von selbst auf. Oft werden sie kaum beachtet; denn Einsichten sind nicht immer das, was wir erwarten. Sie führen zu plötzlichen Sprüngen in der Erkenntnis, die uns Klarheit geben. Dadurch sehen wir, was zuvor im Dunkeln lag. Der Geist kann uns in die Tiefe führen und uns beispielsweise die Elemente zeigen, aus denen Körper und Geist bestehen.

Wir durchleben beim Üben aber auch Perioden des Zweifels, der Entmutigung oder gar die dunkle Nacht der Seele. Sich selbst und das Leben als dynamischen Prozess zu erkennen und zu verstehen, dass da gar kein Ich ist, welches dies alles erfährt, kann uns von den Emotionen befreien, mit denen das Ich alles innere Leiden erschafft. Dazu müssen wir jedoch bereit sein, Herz und Geist bis in die geheimsten Winkel zu durchleuchten.

 

15. Woche

STÖRENFRIEDE

Es gibt Zeiten, da fühlst du dich durch alles gestört – besonders dann, wenn du meditieren möchtest. Alles geht dir auf den Geist: Kinderlachen, Hühnergackern und gar Hundegebell in der Ferne. Die Störung kommt aus deiner geistigen Einstellung. Alles ist seiner Natur entsprechend. Sei auch du deiner Natur entsprechend – und die Welt ist wieder in Ordnung.

Die Dinge sind, wie sie sind. Wenn du das verstehst, könntest du gelassen bleiben und das Leben genießen. Ein Kind ist nun mal quicklebendig, rennt überall herum. So muss es sein — es ist doch ganz natürlich. Oder soll es stillsitzen wie ein alter Mensch? Du kannst nicht aus ihm machen, was es nicht ist.

Das Gleiche gilt auch für Tiere. Sag jetzt nicht, dass dich Hunde oder Hühner beim Meditieren stören. Warum sollen sie nicht bellen oder gackern? Das gehört doch zu ihrem Dasein. Sie ahnen nicht, dass sie dich stören. Du wirst sehen, sobald du dich damit abfindest, werden sie dich nicht mehr ablenken. Genieße du deine Meditation und lass sie ihn Frieden leben. Irgendwann können auch dich Alltagsgeräusche nicht mehr aus der Ruhe bringen.

 

14. Woche

WIRKLICHE FREIHEIT
Alle Menschen möchten gern frei sein, aber nur wenige wollen auch verantwortlich sein. Freiheit und Verantwortung sind aber die zwei Seiten derselben Medaille. Wenn du Freiheit willst, trägst du auch die volle Verantwortung für alles, was du tust. Wer jedoch die Verantwortung nicht übernehmen will, verliert auch seine Freiheit.

Nur als freie Menschen können wir eigenverantwortlich und selbstständig sein. Was immer geschieht, es ist deine Entscheidung. Du hast es so gewollt. Wenn du ausgerastet bist, dich gestritten hast, sag nicht: „Das habe ich nicht gewollt. Ich habe keine Schuld, jemand anders hat angefangen.“ Es mag dir vielleicht nicht bewusst sein, wie es zum Streit gekommen ist, denn manchmal willst du das eine, wählst aber das andere. Doch wo eine Wirkung ist, da gibt es auch immer eine Ursache.

Vielleicht kann dir die Meditation dabei helfen zu erkennen, dass nichts und niemand außer dir für dein Fehlverhalten verantwortlich ist. Wenn du zu dieser Einsicht gelangt bist, dann steh auch beim nächsten Mal direkt zu deiner Verantwortung; denn das ist ein wichtiger Schritt in deiner persönlichen Entwicklung. Aber wirkliche Freiheit – im spirituellen Sinne – ist erst möglich durch die Befreiung von den Ursachen des Leids: Gier, Hass und Verbendung.

 

13. Woche

LOSLASSEN UND VERGESSEN

Wenn deine Welt in dieser dramatischen Zeitenwende aus den Fugen zu geraten droht, ist dein Meditationsplatz vielleicht der wichtigste Zufluchtsort für dich. Um mit den chaotischen Verhältnissen besser klarzukommen, versuche einmal nach der Zuo Wang Methode zu meditieren, die auf dem daoistischen Wu Wei Konzept (Nicht-Handeln) basiert und dich in einen Zustand des Vergessens versetzen kann.

Nimm bitte deine Meditationshaltung ein! Schließe die Augen und versuche, alles loszulassen. Vergiss deinen Körper, bleibe vollkommen bewegungslos. – Versuche, deine Umgebung zu vergessen, indem du alle Sinnestore schließt – weder hören noch sehen, schmecken, riechen, keine Empfindung – nichts mehr bewusst wahrnehmen. Sitze einfach in Stille, ohne etwas Bestimmtes zu tun. Vergegenwärtige dir bei jeder Ausatmung das „Loslassen“, ohne den Atem zu beeinflussen.

Lasse alles von dir abfallen. Versuche jedoch nicht, „nichts“ zu tun. Sei einfach hier und jetzt präsent. Dein Geist wird von selbst ruhig und du wirst dich geerdet und eins mit allem fühlen. Durchdringe den Schleier vor deinem Herzen. Entdecke deine wahre Natur. Spüre dein Urvertrauen zum Absoluten. Lass dich in die Stille tragen – in die leere Weite des grenzenlosen Raumes.

Möge es dir durch die Kraft dieser Übung gelingen, all das Chaos um dich herum zu vergessen und wieder frische Lebensenergie aufzuladen.

 

12. Woche

SEELENFRIEDEN
Alle Menschen wollen Frieden. Doch nur wenige ahnen, dass Frieden immer im eigenen Herzen beginnt. Seinen „Seelenfrieden“ angesichts der aktuellen Krise zu finden, ist allerdings nicht ganz einfach – aber praktikabel. Doch ohne den inneren Frieden können wir in der Außenwelt keinen Frieden erwarten.

Falls du mit deiner Familie, den Nachbarn oder Kollegen ständig im Clinch liegst, schließe zunächst Frieden in deiner allernächsten Umgebung. Auch wenn du das nur mit dir allein ausmachst, deine friedvolle Energie wird bestimmt von allen wahrgenommen.

Aus der Perspektive von Zen kann gerade in schwierigen Zeiten konsequentes Meditieren uns bei der Entwicklung des inneren Friedens weiterhelfen. In Momenten, in denen wir ratlos und verzweifelt sind, mag das einem unmöglich erscheinen. Doch nach einem großen Zweifel kann sich ein ebenso großer Fortschritt entfalten. Es ist daher ratsam, nie vorzeitig aufzugeben.

Um den Tag friedlich zu beenden, versuche in der allabendlichen Friedens-Meditation das Loslassen zu üben. Wenn es dir gelingt, den Atem sich selbst zu überlassen, kann sich innerer Frieden wie von selbst einstellen. Und mit der Zeit wird sich aus dem Loslassen mehr Gelassenheit und Zufriedenheit entwickeln.

 

11. Woche

DEM LEBEN EINEN SINN GEBEN

Wenn der Mensch seine Grund- und Sicherheitsbedürfnisse befriedigt, seine sozialen und individuellen Bedürfnisse gestillt hat, strebt er nach den beiden höchsten Stufen der „Maslowschen Bedürfnispyramide“ – nach Selbstverwirklichung und Transzendenz. Im Rahmen dieses Prozesses möchte der Mensch seine Talente, Potentiale und die eigene Kreativität entfalten und sich mit Spiritualität, Erleuchtung, Göttlichkeit oder dem „Höheren Selbst“ befassen. Kurz gesagt, er möchte seinem Leben einen Sinn geben.

Zen begleitet uns auf dem Weg der Selbstverwirklichung und Transzendenz. Durch konsequente Meditationspraxis können wir ein „Gewahrsein für uns selbst“ entwickeln und herausfinden, welches unsere Werte sind und was genau ein freies und selbstbestimmtes Leben für uns bedeutet. Darüber hinaus lernen wir, unsere Lebensführung zu kultivieren und in diesem Zusammenhang Achtsamkeit, Gelassenheit, Demut, Mitgefühl, Toleranz und Weisheit zu entwickeln.

Hermann Hesse hat diesen Prozess so beschrieben: „Jeder von uns muss über sich selbst, über seine Gaben, Möglichkeiten und Eigenheiten Klarheit suchen und sein Leben in den Dienst der Vervollkommnung, der Selbstwerdung stellen. Wenn wir das tun, dann dienen wir auch zugleich der Menschheit, denn alle Werte der Kultur (Religion, Kunst, Dichtung, Philosophie etc.) entstehen auf diesem Weg. Auf ihm wird der oft verlästerte >Individualismus< zum Dienst an der Gemeinschaft und entbehrt das Odium des Egoismus.“

 

10. Woche

DIE KUNST DES ZUHÖRENS

Es gibt unzählige Momente, wo wir uns vom Meditationskissen erheben und uns ruhig und geerdet fühlen, nur um kurz danach aus der Tür zu treten und im Nu von einer Welle verschiedener Gedanken und Gefühle übermannt werden. Wie können wir also den Nutzen, den wir aus der stillen Meditation ziehen, in alltägliche Situationen mitnehmen?

Wir existieren gleichzeitig in zwei völlig verschiedenen Welten; die innere, persönliche Welt und die zwischenmenschliche, von wechselseitigen Abhängigkeiten geprägte Realität. Einerseits machen wir uns Gedanken und empfinden Gefühle, die sich aus uns selbst ergeben, aus unserem Naturell und persönlicher Konditionierung. Andererseits werden Gefühle und Gedanken aber auch von Menschen in unserem Umfeld ausgelöst, durch Gespräche und dadurch, wie wir miteinander umgehen.

Der Schlüssel für besseres Verstehen und Verstandenwerden – d.h. für eine harmonische Beziehung zu unseren Mitmenschen – liegt in der Kunst des Zuhörens. Wenn wir die Kräfte des achtsamen Zuhörens wecken, können wir auch in schwierigen Situationen miteinander in Kontakt bleiben. Zen hilft uns dabei, Gewohnheiten aufzulösen, die eine wirksame Kommunikation verhindern – wie Vorurteile, Rechthaberei und Ichbezogenheit – und zeigt uns, wie wir durch Achtsamkeit, Konzentration und Einfühlungsvermögen die Herausforderungen des Alltags meistern und ein friedvolles Leben führen.

 

09. Woche

WIR PROTESTIEREN!
Putins brutaler Angriffskrieg auf die Ukraine erschüttert uns zutiefst. Wir fühlen uns mit den Opfern im Kriegsgebiet eng verbunden und spüren ihre Hilflosigkeit und Angst um Leib und Leben. Jetzt gilt es, auf unsere Art gegen diese mörderische Gewalt zu protestieren!

Deshalb werden wir zum Abschluss eines jeden Tages in einer „Meditation der liebenden Güte“ allen Ukrainern unser Mitgefühl ausdrücken und versuchen, ihnen Trost und Zuversicht zu spenden. Ihr alle seid herzlich eingeladen, euch dieser gewaltfreien Protestaktion anzuschließen.

„Gehe in Verbindung zu den Menschen, die heute verfolgt und verletzt werden oder vielleicht schon im Sterben liegen. Wonach sehnen sich die Notleidenden dieses Tages. Sie brauchen Vertrauen, sie wünschen sich Sicherheit und menschliche Wärme. Auch wenn du ihr Schicksal nicht näher kennst, so kannst du dennoch dein Herz öffnen und ihnen zuflüstern:

Liebe Menschen in der Ukraine!

Möget ihr beschützt und sicher sein.
Möget ihr Frieden und Liebe empfangen.

Möget ihr ohne Angst und Trauer sein.
Möget ihr frei sein von Kummer und Leid.

Möget ihr Widerstand gegen das Unrecht leisten.
Möget ihr Mut und Kraft zum Durchhalten haben.

Möget ihr Sicherheit und Geborgenheit finden.
Möget ihr Wertschätzung und Vertrauen erleben.“

 

08. Woche

LEBENSENERGIE.2

Wie wir mit unserem Leben zurechtkommen, wird wesentlich von der Qualität und Quantität unserer Lebensenergie beeinflusst, die wir über die Ernährung, den Schlaf, den Atem und durch unseren Geist aufnehmen. Wenn wir die richtige Atmung beherrschen, können wir sogar unseren Geist von negativen Gefühlen zu befreien.

In der vergangenen Woche haben wir in diesem Zusammenhang durch bewusstes Atmen und visuelle Meditation den Energiefluss von unten entlang der Wirbelsäule nach ganz oben und zurück kennengelernt. Über euren Feedback habe ich mich sehr gefreut. Heute möchte ich euch eine weitere Hilfestellung geben, indem ich die wichtigen Phasen der Zirkulären Atmung etwas präziser beschreibe:

  • Nimm bitte deine Meditationshaltung ein und folge dem natürlichen Atemfluss. Wähle den für dich richtigen Zeitpunkt und atme durch das Einziehen deines Unterleibs behutsam tief aus. Dann warte einen kurzen Moment, bevor du deine Beckenbodenmuskulatur anspannst und gleichzeitig mit einer langen Einatmung die Reise entlang der Zentralachse begleitest.
  • Spüre wie durch die plötzliche Muskelspannung ein Energieschub am Beckenbogen die Wirbelsäule in voller Länge aufrichtet und an ihr aufsteigt. Die Energiewelle wird bei den ersten Versuchen nur selten die Krone im Kopf erreichen. Aber wenn du zu Beginn der Übung nach dem intensiven Ausatmen noch ein paar Sekunden abwartest, wird die Einatmung kraftvoller und damit der Schub stärker, so dass genügend Energie für die Reise bis zum Scheitelpunkt vorhanden ist.
  • Wenn du den Gipfel erst einmal erreicht hast, kannst du ganz entspannt ausatmen und neue Energie in deiner Mitte (Hara) für den nächsten Aufstieg sammeln. Wiederhole die Übung zwei- bis dreimal, aber bitte nicht übertreiben. Gönne dir lieber eine längere Atempause, bevor „die Sicherung durchbrennt“. Schließlich geht es um eine visuelle Meditation und nicht um physische Höchstleistung. Erst wenn du den Ablauf ohne besondere Anstrengung vollziehen kannst, wirst du viel Freude an dieser Übung haben.

 

07. Woche

SPIRITUELLE ENERGIE

Die Achtsamkeit auf den Atem ist wesentlich für die Meditationspraxis; denn der Atem ist die Brücke zwischen Körper und Geist. Er wird normalerweise unbewusst durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Wir können aber auch durch bewusstes Atmen unseren Körper und Geist positiv beeinflussen. Bei der visuellen Meditation kann man mit etwas Übung Energie durch den ganzen Körper lenken; denn Energie folgt immer der Achtsamkeit.

Falls du dies einmal ausprobieren möchtest, achte mit geschlossenen Augen auf die Bewegungen des Atems. Wenn du dich auf einen bestimmten Moment konzentrierst, tief einatmest und gleichzeitig die Muskulatur am Beckenbogen kurz anspannst, kannst du ganz bewusst einen wellenartigen Impuls von unten entlang der Wirbelsäule bis hinauf zum Kopf in Bewegung setzen.

Mit der Ausatmung fließt dann der Atem durch die Nase außen am Körper hinunter, wird „aufgeladen“ und als Energie wieder am Beckenbogen eingezogen. Du kannst diesen Kreislauf bis zum Ende der Meditation mit Unterbrechungen immer wiederholen, solange du dich dabei wohl fühlst.

Ganz gleich was du erlebst, es existiert zwar nur in deiner Vorstellung, ist aber für dein Bewusstsein real. Viele Praktizierende sind deshalb davon überzeugt, dass sie mit dieser Methode physische Kraft in spirituelle Energie umwandeln können und eine heilsame Wirkung verspüren.

 

06. Woche

DER INNERE KLANG

Mantras sind neben dem Atem die beliebtesten Meditationsobjekte. Der Klang eines Mantras beruhigt Geist und Sinne. Dein Körper entspannt sich und du kommst wieder mit deiner Lebensenergie in Kontakt. Das Mantra OM AH HUM eignet sich, um Körper und Emotionen (OM), Kehle und Sprache (AH) sowie den Geist (HUM) von negativen Einflüssen zu befreien und positive Energie zu erzeugen.

Traditionell werden Mantras gechantet. Beginne deshalb deine Meditation mit dem langanhaltenden Tönen jeder Silbe beim Ausatmen und spüre, wie dein Körper mit intensiver Vibration darauf reagiert. Nach ein, zwei Minuten kannst du die Silben beim Ausatmen zu einem OMAHHUM verschmelzen und irgendwann leise ausklingen lassen.

Anschließend werden die Silben nur noch lautlos wiederholt. Töne beim Einatmen im Geiste OM. In der Atempause denke an AH und beim Ausatmen an HUM. Wem das zu kompliziert ist, der kann auch die drei Silben beim Ein- und Ausatmen oder nur beim Ausatmen mental rezitieren.

Sei dir der Kraft des Mantras bewusst und lass es auf Geist und Körper wirken. Sobald dein Geist vollkommen klar und ruhig ist, kannst du die bewusste Wiederholung des Mantras einstellen und dich vom Atem – oder Mantra – in die Stille tragen lassen.

 

05. Woche

KEIN WILLE KEIN WEG

Zen ist ein Übungsweg zur Entwicklung unseres menschlichen Potenzials. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Um echten Nutzen daraus zu ziehen, müsstest du dich dazu durchringen, jeden Tag zu meditieren, komme, was wolle. Denn die geistige Reinigung sollte genauso selbstverständlich sein wie die körperliche Hygiene – also wie Zähneputzen – am besten zweimal täglich.

Wenn du den Zen-Weg ernsthaft praktizieren willst, kann es keine Ausreden mehr geben. Auch nicht, wenn du viel zu tun hast, ziemlich müde oder im Urlaub bist. Ein paar Minuten Zeit zum Meditieren sind immer möglich. In dem Augenblick, in dem du dich selbst dazu verpflichtest, beginnt die Meditation sich tief in deinem Leben zu verankern.

Wenn du dir aber noch nicht sicher bist, ob du das überhaupt willst, könntest du es für eine gewisse Zeit ausprobieren. Denn nur durch konsequentes Üben wirst du erfahren, wie sich dein Konzentrationsvermögen, deine Kommunikationsfähigkeit, dein Gedächtnis und deine Intuition verbessern. Je eher du damit beginnst, desto länger bleibst du geistig fit – bis ins hohe Alter.

 

04. Woche

AUF DEM PRÜFSTAND

Ob es uns gut geht oder nicht, wird vor allem von unserer Ernährung, unseren Gefühlen, Gedanken und Zielen beeinflusst. Wenn wir etwas ändern wollen, können uns vielleicht folgende Fragen hilfreich sein:

Nährt uns das wirklich, was wir so alles zu uns nehmen, oder schaden wir uns damit selbst? Was und wie viel wir essen und trinken, hat großen Einfluss auf unser Wohlergehen. – Und was wir über die Sinne aufnehmen – auch! Was schauen wir uns im Fernsehen oder bei YouTube an? Was hören oder lesen wir? Können wir das emotional verkraften oder vergiften wir uns damit?

Welche Gedanken beschäftigen uns? Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf Liebe, Freude und Vertrauen. Oder fokussieren wir uns auf Angst, Rache, Hass und Misstrauen? – Und schließlich, was sind unsere Absichten und Ziele? Führen sie uns in Richtung Mitgefühl, Verantwortung und Gerechtigkeit? Oder in Richtung Begierde, Intoleranz und Leid?

Wenn wir diese Fragen offen und ehrlich überprüfen, müssen wir uns dann nicht ernsthaft fragen, warum wir nicht schon längst etwas gegen die Ursachen unserer Probleme unternommen haben?

 

03. Woche

WARUM MEDITIEREN WIR?

Die momentane Zwangspause ist eine gute Gelegenheit, um uns einmal darüber klar zu werden, warum wir eigentlich meditieren. Im Grunde gibt es zwei Arten von Motivation – die spirituelle und die psychologische. Die spirituelle ist das Streben nach Erkenntnis. Der Wunsch, den Sinn des Lebens zu verstehen. Und darüber hinaus die Sehnsucht nach Erleuchtung.

Was das psychologische Motiv angeht, so ist es neben dem Wunsch nach Ruhe und Entspannung vor allem die Suche nach dem inneren Frieden. Denn viele Menschen sind gestresst und unzufrieden. Manche leben sogar ständig im Streit mit anderen. Anderen geht es darum, ihre Ängste zu überwinden und ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Spirituelle und psychologische Beweggründe müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Wir können beispielsweise aus psychologischem Motiv heraus anfangen und dann feststellen, dass die Meditationspraxis uns unbemerkt in die Welt der spirituellen Erfahrung hinausträgt – oder umgekehrt. Allein schon das Nachdenken über uns selbst kann sehr hilfreich sein. Der entscheidende Punkt ist jedoch, ob wir uns wirklich verändern wollen und welche Rolle die Meditation dabei spielen soll.

 

02. Woche

ECHTE LEBENSKUNST

Es gibt eine Wirklichkeit, die jenseits von Raum und Zeit existiert. Sie hat weder Form noch Namen und ist nicht mit Worten zu beschreiben. Es ist ein mysteriöses Geheimnis, dass in der Tiefe unseres Bewusstseins eine Keimzelle schlummert, aus der unser Geist die Impulse zu echter Lebenskunst gewinnen könnte, wenn er diese Zelle nur entdecken würde.

Doch nicht theoretisches Wissen wird uns weiterhelfen, sondern nur lebendige Erfahrung. Denn eine tiefere Art des Sehens ist nur durch konsequentes meditatives Üben – bis uns spirituell die Augen aufgehen – möglich. Den Keim in uns zu entdecken und ihn in der Stille absoluten All-Eins-Seins wie ein zartes Pflänzchen zu kultivieren – das ist der Weg zur Meisterschaft in Sachen Lebenskunst.

Hermann Hesse hat dies in „Lektüre für Minuten“ treffend so beschrieben: „Die Dinge, die wir sehen, sind dieselben Dinge, die in uns sind. Es gibt keine Wirklichkeit als die, die wir in uns haben. Darum leben die meisten Menschen so unwirklich, weil sie die Bilder außerhalb für das Wirkliche halten und ihre eigene Welt in sich gar nicht zu Worte kommen lassen. Man kann glücklich dabei sein. Aber wenn man einmal das andere weiß, dann hat man die Wahl nicht mehr, den Weg der meisten zu gehen“.

 

01. Woche 2022

NUR SCHALL UND RAUCH

Die Praxis des Zen-Weges sollte unauffällig und bescheiden sein. Um in tiefe Versenkung zu gelangen, braucht man nichts Besonderes: Weder eine Meditationsklause, Buddha-Figur, Klangschale noch Räucherstäbchen oder Mönchsrobe – dies alles verführt nur zum Anhaften an Äußerlichkeiten. Zen zeichnet sich durch Einfachheit und Direktheit aus, ohne das übliche Drum und Dran. Es ist der Weg der reinen Erfahrung durch Meditation und Achtsamkeit.

Für Anfänger mag es einen gewissen Reiz haben, seltsame asiatische Riten zu erleben, aber das hat Buddha alles nicht gewollt. Er wollte keine Religion gründen; im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Für ihn war das nur Schall und Rauch.

Im Zen darf die Form nicht zum Selbstzweck werden. Am besten, alles Überflüssige hinter sich lassen, weil es nur das Wesentliche verdeckt. Natürlich kann ein schlichter Rahmen auch gefallen, aber weitaus wichtiger ist, die kosmische Wirklichkeit in sich selbst zu erfahren.

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