ZEN-IMPULS DER WOCHE

37. Woche

KEINE ANGST VOR DER ANGST

Unser Streben nach materiellen Gütern und mehr Einfluss erwächst aus einer Angst, die aus einem Mangel an Sicherheit herrührt. Wenn du die Angst bekämpfen willst, wird sie stärker und baut sich zu einem unüberwindbaren Hindernis auf. Solange du die Angst loswerden willst, bist du mit ihr identifiziert.

Angst kann dich jedoch zu einem tieferen Verständnis führen, wenn du sie als Herausforderung annimmst und zu deinem Lehrmeister machst. Ein hilfreicher Indikator, um Angst im Entstehen zu entdecken, ist dein Körper. Denn Angst zeigt sich meist schneller in deinem Körper, als du sie in deinem Bewusstsein wahrnehmen und erkennen kannst. Anzeichen sind: Herzklopfen, schweißige Hände, ein Kloßgefühl im Hals oder auch Enge im Brustraum.

Aber denke bitte daran, dass es den meisten Menschen genauso geht wie dir. Angst ist die permanente Wachsamkeit im Hinblick auf potenzielle Gefahren, der Kern unseres Überlebensinstinkts. Doch habe bitte keine Angst vor der Angst! Denn Angst ist nur ein Gefühl – es kommt und geht.

 

36. Woche

DER GROSSE ZWEIFEL

Wer sich auf den Zen-Weg begibt, der wird hin und wieder von Zweifeln heimgesucht. Ein Geist des Erforschens und tiefen Fragens ist ein notwendiger Bestandteil für die Belebung und Vertiefung unserer spirituellen Praxis. Zweifel kommen und gehen, sie können einen Katalysator darstellen, aber auch verhindern, dass man sich voll engagiert.

Der „skeptische Zweifel“ möchte sich nicht ändern oder neues erforschen, sondern sucht häufig nur die Bestätigung seiner negativen Sichtweise. Man zweifelt alles an, um in der Distanz zu allem unverbindlich leben zu können. Deshalb ist diese Art von Zweifeln für die spirituelle Entwicklung nicht förderlich.

Wenn wir jedoch Zweifel als einen gedanklichen Prozess betrachten und uns nicht von den Inhalten einfangen lassen, erfolgt eine wunderbare Transformation. In dem Moment, in dem sich großer Zweifel in den großen Wunsch verwandelt, unsere wahre Natur zu erkennen, wird unser Geist freier und leichter. Dieser „große Zweifel“ ist eine Quelle von Energie und Inspiration für die Zen-Praxis. Das bestätigen auch die alten Meister: „Großer Zweifel, großes Erwachen; kleiner Zweifel, kleines Erwachen; kein Zweifel, kein Erwachen“.

 

35. Woche

IN DIE TAT UMSETZEN

Wer den Mittleren Weg gehen will, kann sich am achtfachen Pfad orientieren. Dabei sollten wir uns der eignen Möglichkeiten bewusst werden, ohne uns mit anderen zu messen. Nur wenn jeder von uns sich ehrlich bemüht, seinen Beitrag für den Erhalt unseres Planeten zu leisten, können wir etwas erreichen. Sich über das Fehlverhalten anderer aufzuregen, bringt uns nicht weiter. Denn Beschuldigungen und Rechthaberei verursachen nur Unfrieden und Stillstand.

Ein meditatives Leben erfordert ein gewisses Maß an Selbstlosigkeit und Durchhaltevermögen. Den Mittleren Weg zu beschreiten, bedeutet nichts anderes, als sich von der Ego-Illusion zu befreien, um sich selbst zu finden. Wenn du weißt, worum es in deinem Leben geht, dann solltest du nicht zögern, es in die Tat umzusetzen.

Wir müssen unsere eigene Wahrheit entdecken, um eine erweiterte Sicht auf die Dinge zu erhalten. Wenn wir wieder die geringfügigen Dinge zu schätzen lernen, erkennen wir, wie wenig wir tatsächlich brauchen, um unsere Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Erst dann werden wir die Welt, die Erde, die Menschen, Tiere und Pflanzen sowie das Geheimnis des Lebens mit anderen Augen sehen.

 

34. Woche

DAS IST EIN IRRTUM!

Wenn die Dinge gut laufen, dann wollen wir, dass alles so bleibt. Aber wenn wir von Krankheiten, Krisen oder Katastrophen  heimgesucht werden, dann müssen wir erkennen, dass wir dem Leid nicht entkommen können. Leid und Unglück sind aber nicht immer die Ursache für unsere Probleme, sondern sie sind meist das Ergebnis unseres Handelns und Verhaltens.

Gründe dafür sind der kollektive Egoismus, die Wachstumsstrategie und unser Wohlstandsdenken. Denn viele Menschen glauben, sie hätten eine gottgegebene Sonderstellung und könnten sich „die Erde untertan machen“. Das ist ein Irrtum: Wir müssen uns endlich darüber klar werden, dass sich unser Dasein in einem ständigen Prozess gegenseitiger Abhängigkeiten befindet. Beispiel: Klimanotstand!

Unsere Existenz ist aus einem Geflecht von Ursachen hervorgegangen, wird ständig durch bestimmte Faktoren am Leben gehalten, durch sie geformt und eines Tages wieder in ihre Elemente aufgelöst. Nur wenn wir uns dieser Verbundenheit bewusst sind und uns dem Lauf der stetigen Wandlungen im Daseinsgeflecht anpassen, können wir im Einklang mit dem Kosmos leben.


33. Woche

HEILSAME TRANSFORMATION

Seit Jahrtausenden machen sich die Menschen die Meditation mit Hilfe vielfältiger Techniken zunutze, um spirituelles Bewusstsein zu erweitern. Doch Meditation muss keineswegs immer ein spirituelles Ziel haben. Die Übung kann auch einfach darin bestehen, das Gehirn vom Stressmodus in den Ruhemodus zu überführen.

Beim Meditieren können wir diese Transformation als ein Aufatmen erleben, wie die Befreiung von einer Last, manchmal auch als ein Glücksgefühl, dass etwas in einem an seinen richtigen Platz gerückt wurde. Denn unsere Meditationshaltung hat sich in Verbindung mit entsprechenden Atemtechniken im Laufe der Zeit als „Haltung der Heilung“ bewährt.

Dies ist eine Meditationsübung, die sich durch spirituelle Transformation gleichzeitig auf die Psyche und den Körper auswirkt. Indem wir uns vollkommen auf das Spüren mit unserem ganzen Körper konzentrieren, erzeugen wir ein dynamisches Spürbewusstsein, mit dem wir uns frei bewegen können. Wir lenken unseren Atem zu allen körperlichen und seelischen Wunden, die noch nicht verheilt sind, und lassen ihn dort ohne Widerstand zärtlich und heilsam eindringen. – Welche wunderbare Wirkung diese einfache Methode durch regelmäßiges Üben hat, davon kann sich jeder selbst überzeugen.

 

32. Woche

DER MITTLERE WEG

Warum sind wir manchmal so unzufrieden? Das Problem liegt in unserer Wahrnehmung. Solange wir glauben, dass der Grund für unsere Unzufriedenheit ein Mangel ist, werden wir das Fehlende beschaffen. Wenn das nichts nützt, suchen wir weiter nach Dingen, die uns glücklich und zufrieden machen – vergeblich.

Buddha erkannte, dass unser Grundproblem in dieser Sichtweise des Lebens liegt. Er lehrte, dass wir Zufriedenheit nur finden können, wenn wir dem Mittleren Weg folgen. Wenn wir versuchen, diejenigen Teile des Lebens auszuschließen, die uns missfallen, wird uns immer etwas fehlen.

Leben wir den Mittleren Weg, dann schließen wir überhaupt nichts aus, selbst unsere Unzufriedenheit und das Leiden nicht. Wir lernen, wie wir alle Erfahrungen des Lebens umfassen können, auch Trauer, Schmerz und Bedürftigkeit. All dies sind Aspekte des Lebens. Wieso sollte man das Leben sezieren, in Stücke schneiden und nur bestimmte Teile für gut befinden?

 

31. Woche

IN ECHTZEIT LEBEN

In schwierigen Zeiten suchen viele Menschen Zuflucht in der Meditation. Vor allem wohl deswegen, weil ihnen das eigene Leben immer unwirklicher erscheint. Sie fühlen sich verunsichert und fremdbestimmt. In Gedanken leben sie entweder in der Vergangenheit oder Zukunft und verpassen dabei das wirkliche Leben.

Wir verbringen normalerweise das ganze Leben in der Welt unseres intellektuellen Wissens, das uns aber nicht wirklich in Fleisch und Blut übergeht. Wenn wir in der Meditation bewusst in Leerheit verweilen, geschieht eine innere Umkehr. Durch regelmäßiges Üben können wir uns von unheilsamen Einflüssen und selbstsüchtigem Handeln befreien.

Um zu innerer Ruhe und Gelassenheit, zu Konzentration und Klarheit zurückzufinden, müssen wir jeden Tag unseres Lebens bewusst gestalten. Der heutige Tag darf nicht zu einer Kopie von gestern werden. Unsere Gedanken von heute müssen vollkommen frei sein – für ein Leben in Echtzeit. Wenn dies gelingt, können wir uns und unsere Umwelt mit einem Geist erfüllen, der von liebender Güte, Mitgefühl, selbstloser Mitfreude und Gleichmut durchdrungen ist.

 

30. Woche

DAS IST ALLES

Wir würden gern liebevoll sein, sind aber momentan nicht in der Lage dazu. Wir möchten sehr gerne helfen, doch irgendetwas in uns blockiert. Wir wollen unbedingt meditieren, finden aber irgendwie nicht den passenden Moment. – Diese merkwürdigen Erfahrungen lassen sich nicht erklären. Es ist einfach so.

Wir können nicht durch unsere Willenskraft steuern, ob wir lieben oder echt mitfühlen; ebenso wenig, wie wir bestimmen können, wann wir in tiefe Versenkung gelangen. Manchmal gibt es in unserem Leben Augenblicke, in denen wir auf eine Situation mit großer Einsicht, viel Mitgefühl und Liebe reagieren – und im Nachhinein sind wir selbst davon überrascht.

Im Grunde ist nichts eindeutig, nicht „entweder – oder“. Wir Menschen sind beides – mal so, mal so. Auf dem Zen-Weg gibt es keine „richtigen Antworten“. Du musst deine eigene Wahrheit entdecken. Deshalb solltest du auch nicht auf deine „Erleuchtung“ warten, um etwas Gutes für die Welt zu tun. Je mehr du dich einbringst, desto gelassener wirst du für den Rest deiner Tage sein.

 

29. Woche

DER BEFREITE GEIST

Gedanken und Empfindungen durchströmen ständig unser Hirn. Dieses pausenlose Kommen und Gehen geschieht jedoch ohne unseren Willen. Unruhe ist eine geistige Gewohnheit und Meditation ein natürliches Gegenmittel dagegen.

Durch regelmäßiges Meditieren werden mit der Zeit tiefere spirituelle Schichten des inneren Erlebens zugänglich gemacht, so dass der geübte Geist den vorherrschenden Gedankenfluss beruhigen kann. Frei von Gedanken zu sein bedeutet, in diesem Moment ganz leer zu sein und die Grenzen unseres engen Geistes zu überschreiten, d.h. mit dem Universellen in uns in Kontakt zu treten.  

Was während der Versenkung in uns auftaucht, geschieht von selbst und löst bei uns keinerlei Reaktion aus, weil es in der Leerheit keine Bewusstheit gibt. Erst wenn das meditative Erleben vorbei ist und das bewusste Denken wieder einsetzt, spüren wir Freude und Gelassenheit. Denn der Geist, der sich selbst erkannt hat, ist frei davon, sich dauernd beschäftigen zu müssen, er ist unabhängig.

 

28. Woche

DAS GEHEIMNIS DER ACHTSAMKEIT

Manchmal überkommt uns das Gefühl, dass das Leben förmlich an uns vorbei rauscht. Beschäftigt und gestresst eilen wir von einem Termin zum anderen. Bisweilen wünschen wir uns dann nichts sehnlicher, als auszusteigen aus diesem Schnellzug unserer Zeit. Endlich mal nichts tun müssen, sich selbst wieder spüren, einfach nur sein! Die „Notbremse“ dafür heißt Achtsamkeit.

Achtsamkeit bedeutet, im gegenwärtigen Moment alles wahrzunehmen, was gerade passiert. Doch leider nutzen wir diese menschliche Fähigkeit viel zu wenig. Wie oft schauen wir, ohne wirklich zu sehen – hören wir, ohne wirklich zuzuhören – essen wir, ohne wirklich zu schmecken – reden wir, ohne wirklich etwas zu sagen?

Dabei steht Achtsamkeit praktisch immer zur Verfügung, wenn wir unsere Alltagsroutine unterbrechen wollen. Ein paar Mal tief durchatmen, den eigenen Atemfluss spüren und sich fragen: Wie fühle ich mich? Was geht mir gerade durch den Kopf? Das Leben wirklich wahrnehmen zu können, darin liegt das Geheimnis der Achtsamkeit.

 

27. Woche

DAS IST UNSER LEBEN

Wenn von Zen-Praxis die Rede ist, glauben viele, es gehe um besonders strenge spirituelle Verhaltensregeln. Das ist nicht der Fall: Meditatives Üben ist keine körperliche Überforderung, sondern ein Weg, der uns mit unserem eigenen Leben in Berührung bringt. Wer sich dabei quält, macht irgendetwas falsch.

Beim Zen geht es um die Bereitschaft, seine bisherige Lebenseinstellung zu überprüfen. Wenn wir uns konsequent darauf einlassen, bekommen wir immer deutlicher die Vorstellung von einer natürlichen Art zu leben mit und wenden uns ab von unserer egozentrischen Orientierung.

Das Üben ist die Grundlage. Betrachten wir also nüchtern, wie wir zurzeit praktizieren. Wenn unsere geistige Reinigung durch das Meditieren nicht genauso selbstverständlich wird wie unsere körperliche Hygiene, dann ist es kein wirkliches Üben. Dabei bedeutet Praxis nicht mehr als, unser tägliches Leben ganz bewusst wahrzunehmen.

Haben wir diese Grundorientierung erst einmal erkannt, so werden wir genau wissen, worum es uns vor allem geht, und das wird sich auf unser Leben auswirken, auf unsere Beziehungen und unsere Arbeit – auf alles.

 

26. Woche

ZEIT ZUM NACHDENKEN

Auch wenn es im Moment danach aussieht, als hätten wir das Schlimmste überstanden, so hat doch die tödliche Bedrohung in der Corona-Zeit viele zum Nachdenken veranlasst. Selten war es so klar, dass das Leben unerwartet schnell vorbei sein kann und sich damit die geglaubte Sicherheit als Illusion erweist.

Im Zen gibt es nichts zu erreichen. Alles muss losgelassen werden, um sich aus eigener Kraft zu befreien. Die „Enttäuschung“ findet im Hier und Jetzt statt. Sobald die Ich-Illusion überwunden ist, erlischt auch die Furcht vor dem Tod. Was aber bleibt von uns, wenn das irdische Dasein endet?

Im Gegensatz zum Christentum verspricht Zen kein Paradies, keine ewige Seele im Himmel. Und selbst der Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, wie man ihn vom Buddhismus her kennt, wird hier eher sinnbildlich verstanden – als ein permanenter Prozess des Entstehens und Vergehens.

„Der Geist benötigt eine Form, also einen Körper, um sich zu verwirklichen“, erläutert der japanische Zen-Meister Taisen Deshimaru (1880-1965), „wenn daher der Körper tot ist, stirbt auch das, was wir als ´Geist´ bezeichnen und kehrt zur kosmischen Ordnung zurück. Unsere Lebensenergie geht mit dem Tod in den Kosmos über. Die kosmische Energie verändert sich nicht: Sie ist.“

 

25. Woche

ZEN BRAUCHT KEINE LOGIK

Auf dem Weg des Erwachens, geht es vor allem darum, dass wir uns von dem verselbständigten, unterscheidenden Denken befreien, das wie ein Schleier unser wahres Wesen verhüllt. Deshalb halten wir im Zen nichts von abstrakten Erklärungen und mühseligen Debatten.

Zen erhebt sich über die Logik des sogenannten „gesunden Menschenverstandes“ und wendet sich unmittelbar an die Intuition des Menschen. Deshalb bleibt es für denjenigen unverständlich und rätselhaft, der glaubt, Zen ausschließlich mit seinem Verstand erfassen zu können. Denn hinter jeder Antwort, die wir mit den Mitteln des begrifflichen Denkens gefunden haben, erhebt sich eine neue Frage.

Um den Schleier zu lüften und die Grenzen unseres Bewusstseins zu überwinden, müssen wir in den Zustand reinen Gewahrseins gelangen. Wenn in der Meditation die Reflexionstätigkeit des Bewusstseins aufhört, wenn wir nichts mehr wahrnehmen, nichts fühlen, nichts hören, nichts sehen, haben wir dieses Ziel erreicht. Das Gewahrsein selbst ist ohne Identität, es ist unbegrenzt und stets präsent. Dieses Gewahrsein ist unsere Verbindung zum Absoluten, dem Ursprung von allem.

 

24. Woche

UNSERE SCHEINWELT

Unser Bewusstsein bestimmt, was für uns Wirklichkeit ist. Doch was wir wahrnehmen, ist nichts weiter als eine Interpretation der Realität – die Erschaffung einer eigenen verstandesmäßigen Welt. Denn unser Gehirn entscheidet sofort, was für uns interessant oder uninteressant ist. Solche Filter sind z.B. unsere jeweiligen Interessen, unsere Vorlieben und Erwartungen.

So erzeugen wir in jedem Augenblick unsere Scheinwelt, indem wir alle Sinneseindrücke, Empfindungen und Überlegungen in unser geistiges System einordnen. Wir können also davon ausgehen, dass jeder von uns die Wirklichkeit aus seiner Perspektive ganz anders erlebt. Ebenso verhält es sich mit der Selbstwahrnehmung. Die moderne Hirnforschung hat die schlichte Erkenntnis des Zen bestätigt: Unser Ich ist eine Illusion.

Zwar kennen wir viele verschiedene Ich-Zustände, wie beispielsweise das Körper-Ich, das moralische oder autobiografische Ich, aber alles ist vergänglich und hat somit keine endgültige Existenz. Unser gefühltes Ich ist ein unglaublich komplizierter Vorgang im Gehirn, über den wir alle nur staunen können. Dennoch ist es bisher nicht gelungen, dieses Ich irgendwo zu verorten. Aber wenn kein Ich da ist, wer oder was meditiert dann eigentlich?

 

23. WOCHE

EIN NEUER ANFANG

Wenn wir mit Meditation beginnen, spüren wir schon bald erste Erfolge. Wir sind geduldig mit anderen und zuversichtlich, dass sich unser Leben zum Guten wendet. Aber ein paar Monate später meditieren wir nicht mehr so regelmäßig und dann immer seltener. Dabei hatte Meditation doch anfangs so viel Wohlbefinden erzeugt.

Irgendwann merken wir, dass uns etwas fehlt. Aber ohne eine Kehrtwendung in unserem Alltagsbewusstsein kommen wir nicht weiter. Konsequent zu meditieren bedeutet, sein Ego in Frage zu stellen und immer wieder von neuem loszulassen. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn es nicht gleich für eine längere Dauer reicht. Jeder kleine Schritt ist auch ein Fortschritt.

Vielleicht könnte ein neuer Anfang gelingen, wenn du bereit bist, regelmäßig mit anderen gemeinsam zu meditieren; denn die Arbeit in einer Sangha kann großen Rückhalt bieten. Eine gute Gelegenheit für einen Neubeginn bietet sich gerade jetzt nach der Pandemie bedingten Zwangspause.

 

22. Woche

GANZ NATÜRLICH

Wer regelmäßig meditiert, kann mit der Zeit seine Liebe zur Natur entdecken. Denn je näher wir uns selbst kommen, desto mehr fühlen wir uns mit allen Wesen und natürlichen Daseinsformen verbunden. Da wird vielen klar, dass der Mensch Teil der Natur ist. Nur das Ego lebt in der Illusion, als wären wir getrennt von der Umwelt.

Wir können unser Naturbewusstsein auch noch durch eine direkte Kontemplation steigern. Die meditative Betrachtung eines bestimmten Objektes aus der Natur – wie etwa ein Kieselstein, eine Walnuss oder Muschel – führt uns in die Versenkung. Wer mit geschlossenen Augen meditiert, kann das Objekt auch in der offenen Hand halten.

Indem wir den Geist von unseren Vorstellungen über diesen Gegenstand befreien, können wir die Einheit mit ihm wahrnehmen. Und wenn sich die Kontemplation vertieft, erkennen wir, dass das Objekt nicht nur draußen, sondern auch innerhalb unseres Bewusstseins existiert. Es ist eins mit uns, so wie wir eins sind mit ihm. Die Grenzen haben sich aufgelöst.

 

21. Woche

ALLES NUR ZAUBERWERK?

Die Natur des religiösen Denkens hat sich in letzter Zeit stark verändert. Auf der einen Seite steht der Glaubensverlust, auf der anderen die Suche nach besonderen Formen der Spiritualität. Weltweit haben Forscher begonnen, mit neuesten Techniken zu beobachten, was im Gehirn bei religiösen Aktivitäten geschieht: beim Beten oder bei der Meditation.

Kann der religiöse Glaube an eine transzendente Wirklichkeit mit den neueren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen entzaubert werden? Sind die religiöse Suche nach Gott und die spirituelle Suche nach kosmischer Erleuchtung nichts anderes als ein gezielt herbeigeführter Bewusstseinszustand?

Die Forschungsergebnisse sind zumindest zwiespältig. Zum einen ist unbestreitbar, dass religiöse Erfahrungen auf natürliche Bewusstseinszustände und Hirnaktivitäten zurückführbar sind. Das bedeutet: ihr Erlebniszauber verbürgt keinerlei übernatürliche Wirklichkeit. Damit bekräftigen die Forscher aber nur eine religionskritische These, die schon seit langer Zeit in Umlauf ist.

Die neurowissenschaftliche Herangehensweise kann eben nur zeigen, wie Hirnaktivitäten und religiöse Gefühle miteinander gekoppelt sind. Sie kann aber nicht über deren Wahrheitsgehalt urteilen – sonst wären die Naturwissenschaftler selber gottähnliche Gestalten.

 

20. Woche

DIE JUNGEN ALTEN

Für viele Menschen spielt sich das ganze Leben wie auf einem Markt ab, wo alles sich um Kaufen und Verkaufen, Geben und Nehmen dreht. Mit Geld ist alles möglich. Die Erfolgreichen genießen in der materiellen Welt hohes Ansehen. Ihnen fehlt nur noch zum Glück, immer jung bleiben zu dürfen.

Dieser Wunsch ist verständlich, wirkt sich aber auf Dauer verhängnisvoll aus, weil er gegen das Naturgesetz verstößt. Denn wenn die Vergänglichkeit nicht mehr mit finanziellen Mitteln aufzuhalten ist, erwächst daraus eine Angst vor dem Altwerden, die Viele total unglücklich macht. So betrachtet, sollten rüstige Senioren, die ständig beweisen müssen, was sie noch alles draufhaben, kein Vorbild für uns sein.

Wer sich jedoch im gereiften Alter von der Vorstellung verabschiedet, immer noch etwas leisten zu müssen, und stattdessen die Grenze seiner natürlichen Kräfte demütig akzeptiert, muss sich nicht vor dem großen Finale fürchten.  Das Geheimnis der jung bleibenden Alten hat nichts mit Können und Haben zu tun, sondern eher mit Einsehen und Loslassen, mit Verzeihen und Versöhnen, mit liebender Güte und Dankbarkeit.

 

19. Woche

ZEN IM ALLTAG

Wenn wir uns für Zen – den Weg der Achtsamkeit – entscheiden, dann nicht allein um zu meditieren, sondern um ein Leben zu führen, das frei ist von dukkha – von Elend, Verzweiflung, Enttäuschung, Angst, Leid und Schmerz.

Zen-Praxis beinhaltet mehr als Meditation. Sie wirkt sich auch vorteilhaft in vielen Lebenslagen aus. Im beruflichen Alltag können wir von den Übungen der Konzentration und Achtsamkeit profitieren. Oder wenn in einer Beziehung die Stimmung zu kippen droht, kann sich ein besorgter Geist mit Hilfe des Atems schnell stabilisieren und die Situation retten.

Selbst bei Angstzuständen können wir uns auf den Atem verlassen. Ohne viel Aufwand kann der Atem den Körper zur Ruhe bringen und den Geist in Selbstvertrauen und Klarheit verankern.

Geistesgegenwart und Gelassenheit sind das beste Mittel, um schlimme Gedanken oder unheilsamen Emotionen zu überwinden. Vertraue einfach darauf, dass es nur vorübergehende Erscheinungen sind, wenn man nicht an ihnen festhält. Gut, dass wir beim Meditieren auch die Kunst des Loslassens studieren.

 

18. Woche

HABEN UND SEIN

Die Aussage im vorigen Zen-Impuls „Nichts ist es wert, es zu haben oder zu sein“ mag extrem anmuten, ist jedoch in einem besonderen Sinn zu verstehen. Denn damit wird auf das unersättliche Begehren bzw. auf „Mehr Schein als Sein“ hingewiesen. Natürlich gibt es lebenswichtige Dinge, auf die wir nicht verzichten können. Kein Mensch kann existieren, ohne etwas zu haben oder zu sein.

Vielleicht hast du dich in dieser schwierigen Zeit schon mal gefragt, was man wirklich braucht und worauf man eher verzichten sollte. Was bedeutet für dich Haben und Sein? Untersuche einmal, ob es überhaupt etwas gibt, das – wenn wir es erst einmal haben oder sind – nicht irgendwelche Probleme aufwirft?“

Ist beispielsweise das Erreichen eines großen Vermögens oder einer hohen Position im Beruf mit innerer Ruhe und Frieden verbunden? Wenn wir die angeblich so begehrenswerten Dinge realistisch betrachten, müssen wir doch zugeben, dass sie häufig auch Last und Verpflichtung mit sich bringen.

Erst wenn wir erkennen, dass Haben oder Sein in Wirklichkeit Illusion und Täuschung sind und dass es nicht wert ist, alles Mögliche zu ergreifen und daran festzuhalten, können wir die wahre Einsicht in die „Drei Daseinsmerkmale“ Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit und Nicht-Selbst erlangen.

 

17. Woche

GEISTES GEGENWART

Seit Urzeiten weiß die Menschheit, wie wohltuend Meditieren für den Geist ist. Inzwischen hat auch die moderne Forschung bestätigt, dass sich Meditation positiv auf unser Gehirn auswirkt. Zahlreiche Studien beweisen, wie sich bei Meditierenden, Kreativität, Konzentrationsfähigkeit und Entscheidungsfindung verbessern können.

Dazu muss man keine hochentwickelten Trancezustände erreichen, sondern nur absolute „Geistes Gegenwart“, wie beispielsweise bei einem Sonnenuntergang am Meer. Leider wird das innige Verweilen im Hier und Jetzt leicht unterschätzt, weil es ganz normal und nicht besonders magisch ist. Dennoch würde eine vergleichbar natürliche Sammlung in der Meditation ausreichen, um durch Selbstbetrachtung zu neuen Einsichten zu gelangen – wie, dass nichts es wert ist, es zu haben oder zu sein.

Aufgrund solcher Erkenntnis könnte der Geist auch fehlgeleitete Glaubenssätze aufgeben, die er bisher als lebensnotwendig betrachtet hat, wie z.B. die Illusion von „Ich“ und „Mein“. Das Leiden hätte nun keinen Angriffspunkt mehr und würde schwinden. Das wäre der unschätzbare Lohn, der von jedem von uns errungen werden kann.

 

16. Woche

DER ZEN-WEG

Um Zen zu praktizieren, musst du nicht Buddhist werden, sondern solltest am besten alle religiösen Konzepte vergessen. Die einzige Voraussetzung ist, leer zu werden, offen und bereit zu sein, einfach zu sitzen – ohne jede Erwartung und Vorstellung vom Sinn der Übung. Das ist der Weg.

Der japanische Zen-Buddhismus ist ursprünglich aus der Verbindung des indischen Mahayana-Buddhismus mit dem chinesischen Taoismus entstanden. Im westlich geprägten Zen kommen noch die Werte der europäischen Aufklärung als drittes Element hinzu, weil es in der asiatischen Kultur hierzu keine Entsprechung gibt.

Zen ist keine Frage des Glaubens, sondern eine Frage des Tuns. Es leitet uns dazu an, selbst tätig zu werden und zunächst vor der eigenen Tür zu kehren, ehe wir uns um das Treiben anderer kümmern.  Durch intensives Meditieren lernen wir, unsere Probleme zu lösen, indem wir unser Herz und unseren Geist entwickeln sowie unsere Achtsamkeit im Alltag schulen, um ein erfüllteres Leben zu führen.

 

15. Woche

ENDLICH MAL ABSCHALTEN

Viele Menschen leben in einem ständigen Geräuschpegel und bemerken das überhaupt nicht. Manche können Stille gar nicht mehr ertragen. Von früh bis spät hören sie Radio oder sehen fern, um sich abzulenken oder zu unterhalten.

Was soll man davon halten, dass wir uns von den Nöten unseres Lebens dadurch zu entspannen versuchen, indem wir uns mit den wirklichen und erdachten Katastrophen anderer vollstopfen? Warum können wir nicht abschalten?

Ganz einfach: Wenn wir nämlich zum Nachdenken kämen, würden wir vielleicht merken, dass wir mit unserem Leben alles andere als glücklich sind, dass wir Angst spüren, Sorgen und Trostlosigkeit. All diese unangenehmen Gedanken versuchen wir, durch permanente Beschallung zu verdrängen.

Absolute Ruhe ist heutzutage gerade deshalb so wichtig, weil sie zu einem seltenen Gut geworden ist: Stille bedeutet Erholung für das Gehirn. Glücklicherweise rückt das Bewusstsein für Achtsamkeit und Meditation heutzutage wieder mehr in den Fokus unserer Gesellschaft, wo es lange in Vergessenheit geraten war.

 

14. Woche

LASS ALLES HINTER DIR

Wenn wir Zen praktizieren wollen, brauchen wir nichts Äußeres – keine Roben, Statuen und Klangschalen – dies alles sind nur Hindernisse und verdrängen oft das Wesentliche. Für Zen-Übende mag es einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten zu erleben, Weihrauch zu riechen und sich vor einer Buddha-Statue niederzuwerfen.

Aber das alles hat Buddha nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Manche Meister haben dies heute auch schon erkannt und als Dualität und Anhaften entlarvt. Im Zen heißt es: Lass alles hinter dir und erkenne die Dinge so, wie sie sind.

Kern des Zen-Wegs ist die Praxis, sonst nichts. Voraussetzung ist die Bereitschaft, eigene Ansichten, Konditionierungen und mentale Konstrukte zu hinterfragen und aufzugeben. Es geht darum, Erfahrungen zu machen, die der Logik selten spontan zugänglich sind. Dazu muss der Verstand erst zur Ruhe kommen, bis der Geist leer und aufnahmebereit ist. Daher kann man Zen nicht erlernen, sondern nur praktizieren.

 

13. Woche

DIE SINNFRAGE

Heutzutage wünscht sich jeder Gesundheit und ein langes Leben. Aber ist das schon alles oder was willst du eigentlich in Wirklichkeit? Gerade diese schwierige Zeit bietet viele Gelegenheiten, konzentriert über zentrale Fragen nachzudenken, wie z.B. über Mitgefühl und Ich-Bezogenheit, Freiheit und Verantwortung, Liebe und Vergänglichkeit.

Von unserem angehäuften Wissen werden wir keine Antwort nach dem Sinn des Lebens erhalten. Alle Theorien können wir erst einmal vergessen; denn sie versperren uns nur den Blick. Aber wenn wir unser bisheriges Leben und unseren Geist meditativ betrachten, können wir vielleicht erkennen, was wir tun und was wir lassen müssen, um uns selbst noch sinnstiftend in diese Welt einzubringen.

Ein klares Ziel sollte jeder vor Augen haben. Egal was du tust, du brauchst nur eine einzige Aufgabe, für die sich dein ganzes irdisches Dasein lohnt – beispielsweise eine Antwort auf die Frage finden: Wer bin ich, was kann man noch von mir erwarten? Über alles andere musst du dir dann nicht mehr den Kopf zerbrechen.

 

12. Woche

DER LEERE SPIEGEL

Wenn wir beim Meditieren vergeblich versuchen, unseren Geist zur Ruhe zu bringen, dann sollten wir uns einmal fragen, welche nichtaufgearbeiteten Energien – Meinungen, Bewertungen, Ablehnungen, Konflikte usw. – ständig neue Gedanken und Emotionen produzieren.

Du kannst deinen Geist mit einem Spiegel vergleichen, der alles, was davor erscheint, widerspiegelt. Denkst du beispielsweise kritisch über deine Mitmenschen, dann verurteilst du unbewusst dich selbst in ihnen.

Der Spiegel offenbart uns, was wir an uns selber nicht annehmen können oder nicht sein wollen. Nutzen wir diese Chance zur Aufarbeitung, dann können wir ein natürliches Selbstbewusstsein entwickeln und uns sicherer und glücklicher fühlen.

Jeder Versuch, die quälenden Gedanken zu verdrängen, wird das Gegenteil bewirken und die Spiegelung verzerren. Erst wenn wir alle Störfaktoren aufgelöst und für Klarheit gesorgt haben, kann sich der leere Geist selbst spiegeln und sich in seiner Reinheit und Einheit als Ursprungsgeist erkennen – als unser wahres Wesen.

 

11. Woche

DIE FESSELN DES EGOS

Wenn wir die Welt nur aus der Perspektive unseres Egos betrachten, sehen wir alles verzerrt. Die Wahrheit ist in sich selbst vollkommen. Sie muss nicht erst erworben werden, weil sie jederzeit gegenwärtig ist. Solange wir aber auf unseren Überzeugungen beharren, bleibt sie uns verborgen.

Die Weisen lassen ihr Ich los und brauchen keine Selbstbestätigung. Sie streiten sich auch nicht über Ansichten und versteifen sich nicht auf Meinungen. Kluge Menschen lassen sich auch nicht zum Rechthaben und Spekulieren verführen.

Wenn du dich aus den Fesseln deines Egos befreien möchtest, bilde dir keine alternativlosen Überzeugungen, weder aufgrund deines Wissens noch aufgrund deines tugendhaften Verhaltens. Und vermeide, dich mit anderen zu vergleichen.

Was nützen Bewerten und Trennen, Beurteilen und Benennen? Verzichte auf Halbwahrheiten und hör auf, an Meinungen festzuhalten. Wer einsichtig ist, wird die Einheit aller Dinge erkennen und frei und unbeschwert seinen Weg gehen.

 

10. Woche

DEINE INNERE STIMME

Viele neigen dazu, sich nur auf ihren Verstand zu verlassen und ihre Gefühle und Bedürfnisse vollkommen auszublenden. Um jedoch stimmige Entscheidungen zu treffen, sollten wir unser Fühlbewusstsein mit einbeziehen und auf die intuitiven Wahrnehmungen hören.

Das Bauchgefühl, die Stimme des Herzens, eine Vorahnung oder ein sechster Sinn – all das ist Intuition. In bestimmten Momenten weiß die Intuition mehr als wir selbst und macht sich in uns bemerkbar. Solche Hinweise begleiten uns in vielen Situationen, manchmal wollen sie uns zeigen, wie wir uns entscheiden sollten, manchmal vor etwas warnen.

Um ihre Botschaften richtig zu verstehen, müssen wir unsere Antennen nach innen richten. Auf diese Weise lernen wir, unsere Gedanken und Gefühle zu entschlüsseln und zu benennen. So können wir auch die Intuition trainieren. Je öfter wir auf unsere innere Stimme hören, desto deutlicher wird sie werden.

 

09. Woche

ZURÜCK IN DIE STILLE

In der Meditation geht es darum, unseren Geist so zu erfahren, wie er ist. Anstatt uns mit unseren Emotionen zu identifizieren, üben wir, diese Zustände auf eine freundliche Art und Weise zu beobachten. Wenn wir ganz bewusst unsere Gefühle akzeptieren, dann haben sie nicht mehr so viel Macht über uns.

Aus der Nähe betrachtet sind Emotionen keine konstante Geistesverfassung, sondern fließende Prozesse, die sich selbständig entwickeln, in ihrer Intensität verändern und sich schließlich wieder ganz verlieren. Alles kommt aus der Stille und geht zurück in die Stille.

Durch Meditation lernen wir, uns total zu entspannen und unseren Geist zu beruhigen, so dass er nicht mehr spontan auf alle Sinneswahrnehmungen reagiert. Im Idealfall können wir alles loslassen – sogar unsere Gefühle für Ort und Zeit – und uns ganz einer unendlichen Weite hingeben, die schon immer hinter all unserer ruhelosen Geschäftigkeit verborgen lag.

 

08. Woche

HART ABER WAHR

Der japanische Zen-Meister Kodo Sawaki (1880 – 1965) wird einmal gefragt: „Glaubst du nicht auch, dass der Buddhismus die größte Lüge aller Zeiten ist?“ „Klar,“ erwiderte er, „das, was die buddhistischen Mönche so von sich geben, ist genauso daher gelogen wie das, was in Büchern steht.

Warum? Weil da Leute über Nirwana reden, die es selbst nie erlebt haben, und andere sich über das große Erwachen nach dem geistigen Tod auslassen, obwohl sie selbst die Augen fest geschlossen halten.

Überhaupt scheinen religiöse Menschen gerne über Dinge zu schwafeln, die mit ihrem eigenen Leben nichts zu tun haben. Das gilt auch für all die berühmten Sutren: Ohne Praxis sind sie bloß große Lügen“.

Diese Überlieferung ist eine reine Zen-Provokation. Ähnlich könnte man auch mit unserer westlichen Gesellschaft – mit ihrem Überfluss, ihrem Egoismus und ihren religiösen Glücksversprechungen – ins Gericht gehen.

 

07. Woche

AUCH EIN GEWOHNHEITSTIER?

Eigentlich ist der Mensch ein Gewohnheitstier, weil ein Großteil unseres Verhaltens in alltäglichen Routinen abläuft. Doch wenn wir nicht achtgeben, gewinnen unerwünschte Angewohnheiten immer mehr an Einfluss. Obwohl wir alles im Griff zu haben glauben, lassen wir uns gehen. Mal sind wir ohne jeden ersichtlichen Grund ungeduldig, manchmal sogar schlecht gelaunt.

Alle diese negativen Eigenschaften steigen unwillkürlich aus unserem Unbewussten hoch. Solange wir jedoch andere dafür verantwortlich machen können, ist für uns die Welt in Ordnung. Wir haben damit nichts zu tun, wir sehnen uns doch immer nach Harmonie – wieso sollten wir von uns aus wütend oder sauer sein?

Manchmal werden wir uns in Momenten der Stille unserer lästigen Verhaltensmuster gewahr und müssen wohl oder übel zugeben: „Ich bin absolut verantwortlich für alles, was mir widerfährt!“ Die Einsicht, dass wir uns nicht auf Dauer aus der Verantwortung stehlen dürfen, kann der Wendepunkt zu einem zufriedenen und glücklichen Leben sein.

 

06. Woche

IN HARMONIE MIT DIR

Um eine tiefe Meditation zu erleben, muss niemand die Einsamkeit am Meeresufer oder in den Bergen suchen. Denn nirgends gibt es eine stillere Zufluchtsstätte als unsere innere Mitte. Selbst wenn wir manchmal keine Ruhe finden, können wir mit etwas Geduld dennoch Kontakt mit unserem Inneren aufnehmen.

Meditation bedeutet im Buddhismus „müheloses Verweilen in dem, was ist“. Man erkennt seine störenden Gefühle wie Ärger, Stolz oder Eifersucht, bekommt Abstand zu ihnen und kann sie auflösen. Dieses Auflösen ist ein befreiendes Loslassen. Kein Tun, sondern ein Wahrnehmen von einer inneren Warte aus. Wir spüren das, indem wir uns danach wohler fühlen.

Meditation wirkt immer ganzheitlich auf allen Ebenen. In Momenten der Hingabe geschieht Heilung und Regeneration; denn dein Körperbewusstsein strebt nach Frieden und Harmonie mit dir.

 

05. Woche

GEDANKEN LOS!

Wenn du dir beim Meditieren ständig den Kopf darüber zerbrichst, wie du deine störenden Gedanken loswerden kannst, musst du dich nicht wundern, dass das nicht geht. Denn dieses Bestreben ist ja selbst ein Gedanke.

Quäle dich nicht: Das Entstehen und Vergehen der Gedanken ist nichts weiter als eine natürliche Funktion des Geistes. Es gibt gar keinen Grund, irgendetwas aus deinem Bewusstsein auszuschalten. Denken ist nur ein Beweis dafür, dass dein Hirn arbeitet und du noch am Leben bist.

Was auch immer während der Meditation ungewollt in deinem Geist passiert, es spielt keine Rolle. Sitz einfach in absolutem Vertrauen auf die bewährten Meditationsmethoden, ohne auch nur im Geringsten an einem Gedanken anzuhaften, und gib dich ganz deinem Atem hin:

Spüre wie der Atemfluss allmählich sanfter und gelassener wird. – Beruhigt sich der Atem, kann sich der Körper entspannen. – Entspannt sich der Körper, kommt der Geist zur Ruhe. – Mit der Zeit entschwinden die Gedanken und wird dein Bewusstsein hellwach und klar. – Und schließlich gibt es in dir auch keinen Beobachter mehr. –  Alles Weitere lässt sich nicht in Worte fassen.

 

04. Woche

EINFACH NATÜRLICH

Den ganzen Tag über sind wir damit beschäftigt, uns zwischen dem zu entscheiden, was wir mögen, und dem, was wir nicht mögen. Ständig laufen wir unseren Illusionen hinterher – und vor dem davon, was wir ablehnen. Wenn wir danach streben, friedlich und gelassen zu leben, müssen wir mit diesem Bewerten und Verurteilen endlich aufhören.

Wer konsequent Zazen praktiziert, für den verändern sich mit der Zeit die Prioritäten. Was wir für belanglos gehalten haben, wie etwa den nächsten Atemzug, ist plötzlich sehr wertvoll. Und Dinge, die uns persönlich so wichtig erschienen (wie ein neues Handy oder Auto), verlieren ihren angeblichen Imagewert.

Zen lehrt uns die Kraft der Einfachheit mit gleichzeitiger Wertschätzung der Vielfalt aller Erscheinungsformen. Aber Einfachheit bedeutet nicht nur Genügsamkeit, sondern auch Natürlichkeit. Die Natur folgt dem Ruf des Lebens, sie wächst einfach im Einklang mit dem Kosmos.

 

03. Woche

JEDER TAG EIN GUTER TAG

Auch gute Vorsätze unterliegen dem Naturgesetz der Vergänglichkeit. Erfahrungsgemäß haben viele die ersten beiden Wochen des neuen Jahres nicht überlebt. Wer nicht gleich scheitern möchte, sollte sich nicht zu viel vornehmen, aber konsequent umsetzen, Schritt für Schritt.

Am erfolgreichsten sind Vorsätze für einen überschaubaren Zeitraum. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag, zu jeder Stunde – ohne Übertreibung, aber mit Geduld. Im Zen heißt es: Jeder Tag ein guter Tag. Probiert es am besten heute einmal aus. Hier ein paar praktische Beispiele, die jeder schaffen kann:

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag besonders achtsam zu erleben, ohne alle meine Probleme auf einmal lösen zu wollen.
Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen oder auf meine „kleinen Sünden“ verzichten – und ich werde es niemandem erzählen.
Nur für heute werde ich mir vornehmen, niemanden zu kritisieren, zu korrigieren oder zu verbessern.
Nur für heute werde ich alle von mir erzeugten Selbstbilder ablegen, einschließlich dem des „bescheidenen Menschen“, des „spirituellen Menschen“ oder dem des „edlen Wohltäters“.
Und schließlich noch etwas für uns alle: Nur für heute werde ich nicht versäumen, an der gemeinsamen Fernmeditation unserer Sangha um 19 Uhr teilzunehmen.

 

02. Woche

IM ATEM-FLUSS

Meditation sollte immer daran gemessen werden, wie sie unser alltägliches Leben beeinflusst – im Denken wie im Handeln. Aber solange die Kraft der Meditation noch schwach ist, kommt man leicht von der Achtsamkeit ab. Eine bewährte Methode ist die absolute Konzentration auf den Atem.

Habt ihr schon mal gemerkt, aus wieviel verschiedenen Teilen ein einziger Atemzug besteht? 21 Punkte der Wiederholung tauchen bei jedem Ein- und Ausatmen auf. Das Einatmen hat einen Anfang, eine Mitte, ein Ende und eine kurze Pause. Das Ausatmen hat dieselben vier Ereignisse. Das macht schon zusammen 8 Punkte und reicht für den Anfang. Wenn ihr es einmal ausprobieren möchtet, achtet bitte genau auf jeden Teilaspekt des Atems, denn einen Atemvorgang in 8 Ereignisse zu zerlegen, erfordert schon hohe Konzentration.

Um diesen Prozess besser zu veranschaulichen, könnt ihr euch den „langen Weg“ des Atems mental an der Wirbelsäule vorstellen: Wenn ihr euch gut geerdet hab, atmet ihr scheinbar von unten langsam den ganzen Rücken bis zum Kopf hinauf ein, macht dort eine kleine Pause und atmet vorn über den Brust- und Bauchbereich langsam wieder aus. So könnt ihr genau jede Atemposition leicht verfolgen. Ein Dutzend solcher Übungen reichen aus, um den Atem-Fluss zu beruhigen, und lassen sich bei Bedarf während der Meditation immer wiederholen.

 

01. Woche 2021

UNSERE KRAFTQUELLEN

Nun sind wir wieder an dem Punkt, wo wir im Frühjahr 2020 schon mal waren. Seit Weihnachten gilt wieder ein harter Lockdown. Und so „sitzen“ wir wieder allein zu Hause, anstatt gemeinsam zu meditieren. Niemand kann heute sagen, wie es demnächst weitergeht. Uns bleibt nur übrig: Geduldig abzuwarten, bis endlich Entwarnung kommt. Das bedeutet aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. In der Zwischenzeit können wir unseren Zen-Weg auch im Alleingang weiter praktizieren.

Durch Meditation und Reflektion können wir herausfinden, dass Geduld ein wirksames Gegenmittel gegen Wut und Intoleranz ist, dass Zufriedenheit gegen Gier wirkt, Mut gegen Angst, Verständnis gegen Zweifel. Wenn wir Mitgefühl, Genügsamkeit und Demut kultivieren, werden uns daraus lebenswichtige Kraftquellen erwachsen: Denn Mitgefühl erzeugt Mut, Genügsamkeit erzeugt Zufriedenheit und Demut erzeugt Toleranz, Verständnis – und Weisheit.

Mit soviel Lebenskraft gerüstet, brauchen wir uns vor den Widrigkeiten und Risiken in diesen schwierigen Zeiten nicht zu fürchten.

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53. Woche 2020

ZEN IST KEIN FLUCHTWEG

Wer Zen ernsthaft praktiziert, kann sein Leben in Alltag und Beruf leichter gestalten. Allerdings wenn Übende nur meditieren, bleibt die Praxis eine halbe Sache. Der Weg führt zwar über die Meditation nach innen, aber danach über die Achtsamkeitspraxis auch wieder nach außen. Nur wenn sich Innen und Außen ergänzen, kann sich das Leben weiterentwickeln. Dazu eine Zen-Geschichte:

Durch intensives Training hatte ein Zen-Mönch so große Konzentrationskraft entfaltet, dass er zu totaler Versenkung fähig war. Einmal wettete er mit einem befreundeten Mönch, er könne meditierend ins Nirvana eingehen, noch bevor ein Räucherstäbchen abgebrannt sei. Und tatsächlich gewann er die Wette und ging für immer ins Nirvana ein. Der andere Mönch bedauerte den doppelten Verlust und meinte lakonisch: Sterben kannst du, aber vom Zen hast du keine Ahnung.

Den Zen-Weg zu gehen bedeutet nicht, abzuheben und herabzuschauen oder vor dem Leben zu flüchten und ins Nirvana auszuweichen, sondern auch: sich seinen Alltagspflichten zu stellen. Den Geist reinigen und das Geschirr spülen sind die zwei Seiten einer Medaille.

52. Woche

EIN KLARER GEIST ALTERT NICHT

Altern ist kein Zustand, der plötzlich da ist, sondern ein ständiger Prozess lebenslanger Vergänglichkeit. Selbst wenn hauptsächlich der Körper altert, muss die Geistesfähigkeit nicht in gleichem Maße abnehmen.

Allerdings ein mit Gier, Hass und Verblendung behafteter Mensch altert geistig oft schon relativ vorzeitig, weil er ausschließlich egoistische Ziele verfolgt und sich von seinen Trieben versklaven lässt. Ein gefangener Geist verfällt ähnlich schnell wie der Körper, wenn man ihn vernachlässigt.

Gesunde Ernährung, körperliche Bewegung sowie geistige Hygiene sind die besten Voraussetzungen für mehr Zufriedenheit und Gelassenheit im Alter. Dabei kann auch regelmäßiges Meditieren sehr heilsam sein. Es rückt nicht nur den Moment, das Hier und Jetzt, in den Fokus, sondern macht uns mit unseren Emotionen, Widerständen und Wünschen vertraut und reinigt so den Geist.

In Kombination mit entsprechender Achtsamkeitspraxis kann es dann gelingen, unsere ich-bezogenen Verhaltensweisen zu verändern. So braucht sich ein anhaftungsfreier Mensch vor dem Alter nicht zu fürchten. Denn ein klarer Geist wird nicht vorzeitig vergreisen, weil er im Einklang mit dem Kosmos lebendig bleibt.

51. Woche

BEIM LACHEN FÄLLT DIE MASKE

Stolpern wir über eine Teppichkante, so sind wir kaum imstande, darüber zu lachen. Könnten wir uns aber mit den Augen anderer sehen, würde wir vielleicht über soviel Ungeschick lächeln. Doch wenn wir allein sind, lachen wir nur selten, wenn wir in komische Situationen geraten.

Dass Lachen etwas mit Zen zu tun haben soll, mag zunächst überraschen. Aber die enge Beziehung zwischen Lachen und Zen rührt daher, dass sich Zen auch mit der Frage beschäftigt, wie man mit seinem inneren Druck umgeht.

Und das Lachen ist ein Mittel, um sich von seinem inneren Druck zu befreien. Denn das Lachen hat mit dem Objektivieren der Situation zu tun. Solange wir auf unseren Vorteil, unser Aussehen und Prestige bedacht sind, bleiben wir verspannt und bremsen den Lachanfall ab.

Wenn wir uns jedoch inmitten einer vertrauten Gruppe befinden, kommt das Sozialverhalten ins Spiel. Dann können wir die Umstände leichter objektiv betrachten und viel eher lachen – sogar auf unsere Kosten. Das Lachen bringt uns in vertrautere Nähe zueinander, weil dabei die Ego-Maske abfällt.

50. Woche

MITGEFÜHL GEGEN HASS

Das höchste Ziel im Zen-Buddhismus besteht darin, Erleuchtung zu erlangen. Dabei geht es um die Befreiung von Hass, Gier und Nichtwissen. Auswüchse davon sind: Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Egoismus.

Unwissenheit wird in diesem Sinne nicht mit Dummheit oder Mangel an Tatsachenwissen gleichgesetzt, sondern ist vielmehr jenes Ignorieren all dessen, was einem nicht in den Kram passt. Aktuelle Beispiele dafür sind: das Verharmlosen von Corona-Gefahr und Klimaeffekten sowie das Verfassen von Fake-News und Verschwörungstheorien.

Im Grunde wollen auch diese Menschen glücklich und zufrieden sein. Wie wir alle sehnen sie sich nach Sicherheit und Anerkennung. Denn auch sie können leiden wie alle anderen, vielleicht unter mangelndem Selbstwertgefühl, innerer Zerrissenheit, Hassliebe etc.

Unbequemen Zeitgenossen gegenüber echtes Mitgefühl zu entwickeln, ist für uns alle eine anspruchsvolle Metta-Übung. Aber dieses Bemühen bietet auch eine gute Möglichkeit, den sonst endlosen Kreislauf des Hasses zu durchbrechen.

49. Woche

WILLKOMMEN IM HIER UND JETZT

Der Buddha sagte: „Ein wirklich bewusst lebender Mensch lebt in dieser Welt wie eine Biene. Er tastet nie die Schönheit dieser Welt an, und zerstört nie den Duft dieser Welt. Er lebt und geht still seinen Weg. Er bittet nur um das, was er wirklich braucht. Sein Leben ist einfach und nie überladen. Er lebt entspannt im Hier und Jetzt.“

Im Zen versuchen wir ebenfalls im gegenwärtigen Augenblick zu leben, unbelastet von der Vergangenheit, die nicht mehr existiert, und der Zukunft, die noch nicht begonnen hat. Indem wir in der Meditation unsere Gedanken und Vorstellungen einfach nur noch beobachten, ihnen also keine Energie mehr zuführen, verschwinden sie.

Als neutrale Zeugen des Geschehens müssen wir uns nicht mehr mit dem unendlichen Gedankenstrom identifizieren, sondern können ihn wie von einer Brücke als fließenden Verkehr beobachten, und vielleicht irgendwann begreifen, dass sich alles wiederholt – und dies unser ganzes Leben lang.

Ein erschreckender Kreislauf, der immer nur wieder dieselben Emotionen hervorbringt: denselben Ärger und Hass, dieselbe Wut und Gier, unsere unaufhörlichen Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte, das ständige Urteilen und Bewerten, unsere Vorlieben und Abneigungen.

Erst wenn wir in der Meditation den Projektor einfach abschalten, verschwindet mit der Projektionswand auch der ganze Spuk wie eine Traumwelt, und wir können einen Blick auf die wahre Wirklichkeit erhaschen. Willkommen im Hier und Jetzt!

48. Woche

WIE FÜHLST DU DICH?

Jeder von uns hat ein Verstandes- und ein Spürbewusstsein. Keines ist besser oder schlechter als das andere. Du brauchst beide Zugänge, um mit dir und anderen zu kommunizieren – und dich in der Tiefe verstehen zu können.

Immer wenn Denken und Sprache im Spiel sind, ist das Verstandesbewusstsein aktiv. Das Spürbewusstsein hingegen verliert keine Worte, du erfährst dich über die direkte Einfühlung in den Körper. Weil bei den meisten Menschen das Denkbewusstsein im normalen Alltag vorherrscht, wäre vielleicht folgende Übung für dein Fühlbewusstsein einmal interessant:

Setze dich entspannt auf dein Meditationskissen und beginne das Mantra / die Silbe OM (AUM ist der Urklang des Universums) zu chanten. Erzeuge ein sanftes, möglichst ungezwungenes Summen, das eher nach innen als nach außen geht. Lasse es locker und ohne Anstrengung immer wieder von neuem durch den Körper fließen.

Mache zwischendurch kleine Pausen und wiederhole die Übung so oft du magst. Du kannst auch mit geschlossenem Mund oder mit unterschiedlichen Tonfrequenzen summen. Bitte habe keine Erwartungen, aber achte vor allem darauf, was passiert – was du dabei empfindest und wie du dich nachher fühlst. Wenn du diese Übung hin und wieder in deine Zen-Praxis aufnimmst, kann sich dein Spürbewusstsein wesentlich verfeinern.

ES GEHT DARUM, einen besseren Zugang zu uns selbst und ein natürliches Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln. Jeder von uns ist ein lebendiger Prozess. In unserem Organismus wird ständig Energie produziert und im Stoffwechsel umgesetzt. Durch das „Summen“ (nach: Dr. Julie Henderson) können Körperzonen, Gewebe, Organe und Funktionssysteme aktiviert werden. Auch die Verbindung zwischen den Organen kann so gestärkt bzw. die Kooperation von Organsystemen unterstützt und zum gesünderen Funktionieren angeregt werden.

47. Woche

INNERE KRAFTQUELLE

Vielleicht hast du von besonderen Meditationserfahrungen gehört, aber solche noch nie erlebt, obwohl du schon lange meditierst. Und du glaubst, das sei deine Schuld, die anderen könnten das alle. Oder du siehst Menschen, die anscheinend voller Güte und Mitgefühl durchs Leben gehen, und meinst, dass du dazu nie in der Lage wärest.

Unzufriedenheit, Zweifel und Mutlosigkeit werden von deinem Ego genährt. Gib dieser inneren Stimme, die dich dauernd beurteilt, nicht so viel Energie! Solange du dich immer wieder nur auf das ausrichtest, was du nicht hast, übersiehst du leicht, was du hast. Erinnere dich deshalb an die unerschöpfliche Kraftquelle des Mitgefühls.

Mitgefühl bedeutet, sich berühren lassen von Leid und von Schwierigkeiten, ohne darin zu ertrinken. Es lässt uns Anteil nehmen, und wir sind dabei innerlich aktiv: „Was wird gebraucht, was kann ich tun?“ – Aber eben auch: „Was brauche ich in diesem Moment? Was kann ich für mich tun angesichts meiner Angst und Unzufriedenheit?“

46. Woche

DIE PRAXIS DES ERDENS

Wenn du dich in der Meditation sehr unruhig erlebst, Gedanken dich besetzen und forttragen wollen, werde dir der Realität bewusst und versuche dich durch den direkten Kontakt zum Boden zu erden.

Spüre die Verbindung zu deinen Wurzeln und erinnere dich, dass wir alle Elemente in uns verkörpern und letztendlich die Erde selbst sind. Erkenne, dass wir mit allem verbunden sind. Wir sind Teil des endlosen Lebensstroms und bilden mit unseren Ahnen zusammen auch alle künftigen Generationen.

Wenn du dich ebenfalls im Alltag in schwierigen Situationen immer zunächst mental tief in der Erde verankerst und dir der Einfachheit und Demut deines irdischen Daseins bewusst wirst, kann dich nichts so leicht erschüttern.

45. Woche

DIE ECHTE REALITÄT

Alle Aspekte dieser Welt sind mit einer geheimnisvollen Quelle verbunden. Himmel und Erde, Leben und Tod, Pflanzen und Tiere, man selbst und andere Menschen sind so wie Berg und Tal nicht voneinander getrennt. Durch regelmäßiges Meditieren wirst du mit der Zeit deine Sinneswahrnehmungen so verfeinern und deinen Geist soweit beruhigen, dass du dies in dir selbst beobachten kannst.

Es gibt eine schwingendes Energiefeld im Universum, das alles durchdringt. Dieses Feld geschieht nicht um dich herum, es geschieht durch dich. Je weniger Widerstand vorhanden ist, umso leichter kann die Energie fließen. Wenn du Gelassenheit und Gleichmut entwickelst, wird dir eines Tages die Realität bewusst, wie sie wirklich ist. Denn du bist das Auge, durch das das eine Bewusstsein sich selbst betrachtet.

44. Woche

KEIN GLÜCK MIT GLÜCK?

Alle Menschen wollen glücklich sein. Doch viele verwechseln Glück mit Vergnügen und verbringen ihre Zeit mit der ständigen Suche nach Abwechslung und Unterhaltung. Welche Freuden wir auch erleben, alles was bedingt entsteht, ist letztlich nur von begrenzter Dauer – und kann uns niemals wirkliche Befriedigung verschaffen. Und so leiden wir, weil wir uns an das Vergängliche klammern.

Wahres Glück ist unabhängig von Raum und Zeit – und kann nur im Hier und Jetzt erlebt werden, weil wir keinen glücklichen Moment festhalten können. Erst wenn wir uns der ständigen Veränderung alles Irdischen bewusst geworden sind und zu einer höheren Sichtweise mit einer inneren Loslösung von den Dingen gelangen, können wir uns von Anhaftungen und Begierden befreien.

43. Woche

MACH DIR NICHTS VOR

Beklage dich nicht, wenn „dein Leben“ nicht so verläuft, wie du es gern hättest. Denn es gehört dir nicht. Wir leben in einer kosmischen Ordnung, in der uns überhaupt nichts gehört. Es gibt nichts im Universum, was für sich selbst bestehen könnte. Unser Dasein befindet sich in einem ständigen Prozess gegenseitiger Abhängigkeiten.

Solange du aber alles nur aus der Perspektive deines Egos betrachtest, siehst du die Wirklichkeit verzerrt! Anstatt dich ständig um dich selbst zu drehen, meditiere einmal darüber, wie du in dieser Welt zum Glück und Wohle anderer Wesen tätig werden kannst. Liebe und Mitgefühl werden „dein Leben“ nicht nur erleichtern, sondern auch bereichern.

42. Woche

GEISTIGE HYGIENE

Die regelmäßige Meditation ist für die Zen-Praxis sehr wichtig. Dabei kommt es zunächst nicht so sehr auf die Dauer an. Anfangs reichen auch zehn Minuten täglich. Alles Weitere entwickelt sich mit der Zeit. Wichtig ist jedoch, dass diese geistige Hygiene für uns so selbstverständlich wird wie die körperliche. Zum Beispiel: Ohne vorher die Zähne zu putzen, will uns das beste Frühstück nicht schmecken und können wir auch abends nicht so gut einschlafen. Ihr werdet sehen: Mit Meditation wird alles leichter!

41. Woche

ZEN-GMBH ODER -SANGHA?

Wozu eine Sangha? Natürlich kann man auch allein meditieren, aber das gemeinsame Üben ist für viele Menschen eine große Hilfe. Weil wir allesamt mehr oder weniger unvollkommen sind, kann sich eine spirituelle Gemeinschaft als ideales Übungsfeld und lebendige Quelle der Orientierung erweisen. Allerdings kann sie für das Individuum auch zur echten Herausforderung werden, wenn das eigene Selbstverständnis ins Wanken gerät.

Die alles entscheidende Frage ist, streben wir nach Eigenständigkeit oder haben wir eine gemeinsame Vision? Mit anderen Worten: Suchen wir eine „Gemeinschaft mit beschränkter Hingabe“- also einen Meditationskreis, an dem jede/r unverbindlich teilnehmen kann? Oder erkennen wir die Sangha als Möglichkeit, unsere schwierigen Eigenschaften umwandeln zu lernen und unsere förderlichen Qualitäten zum Wohle anderer in die Gemeinschaft einzubringen?

40. Woche

ZERBRICH DIR NICHT DEN KOPF

Wenn wir in tiefe Meditation versinken, kann das zu allen möglichen Arten von Erscheinungen führen. Außergewöhnliche Szenarien und Angstzustände sind dann keine seltenen Phänomene. Durchaus möglich, dass wir uns als andere Wesen in anderen Körpern, anderen Zeiten und Bereichen erleben. Wir können auf dem Sitzkissen auch Raubtieren, Engeln, Göttern und Dämonen begegnen, Hitzewallungen und Kältegefühle erfahren.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um Gefühle der Alltagsebene, sondern um das Öffnen des gesamten Emotionskörpers. Man begegnet dem höchsten Entzücken und der tiefsten Dunkelheit der Einsamkeit, und jedes dieser Gefühle, die unser ganzes Bewusstsein ausfüllen, scheint real. Was auch immer in deinem Geist vorgehen mag, es spielt keine Rolle. Sitz einfach weiter im absoluten Vertrauen auf Zazen, ohne dir darüber den Kopf zu zerbrechen. Wenn du nicht anhaftest, werden diese Prozesse, die beim Lösen von physischen Blockaden u.a. als Visionen oder Reflexe auftreten können, bald wieder vergehen.

39. Woche

WER WIR WIRKLICH SIND

Es kann einen Schock verursachen, nach innen zu blicken und zu erkennen, wie viele Sehnsüchte und Wünsche wir haben. Vielleicht tauchen daraufhin ernsthafte Zweifel in uns auf, ob es überhaupt möglich ist, jemals vom Leiden befreit zu werden. Die wesentliche Ursache für unser Leiden ist Unwissenheit und Ignoranz – wir betrachten uns selbst als abgetrennt und unvollständig. Diese Verblendung führt zu Begehren und Anhaftung.

Der Zweck unserer Meditations-Praxis ist es, zu entspannen, uns dem natürlichen Leben hinzugeben und loszulassen, d.h. sich von Verlangen und Ablehnung zu befreien. Am Anfang wird das stille Sitzen ganz sicher weder natürlich noch entspannend sein. Aber wenn wir durch regelmäßiges Üben wirklich mühelos meditieren können, werden wir unsere wahre Natur in allem, was wir tun, erkennen – und erfahren, wer wir wirklich sind.

38. Woche

INNERE MEISTERSCHAFT

Solange wir keine innere Ruhe finden, können wir kein harmonisches Leben führen. Wenn es uns durch Meditation und Achtsamkeitspraxis gelingt, die Ursachen der Unruhe zu erkennen und zu beseitigen, werden auch Menschen in unserem Umfeld davon profitieren.

Aber es macht keinen Sinn, sich selbst unter Druck zu setzen. Deshalb sollten wir ganz behutsam vorgehen und in unserem normalen Alltag zunächst einmal darauf achten, wie wir mit uns und anderen umgehen. So können wir schon bald erste Einsichten gewinnen und Fehlverhalten abstellen.

Allein der Vorsatz, über die Bedeutung unserer Existenz ernsthaft nachzudenken und das Beste aus unserem Leben zu machen, ist ein wichtiger Schritt zur inneren Meisterschaft. Doch dabei darf es keinen Stillstand geben. Wir müssen jeden Tag neu damit anfangen.

37. Woche

SEHNSUCHT NACH  KLARHEIT

Die meisten Leute glauben, dass ihre Welt in Ordnung sei. Doch wenn wir zu uns selbst einmal ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass unter der Oberfläche eine innere Unruhe und Unzufriedenheit gärt.

Hier liegen im Unbewussten – lange bevor sie ans Tageslicht treten – die Ursachen für unsere äußeren Probleme, mit denen wir uns ständig herumschlagen. Bei manchen Menschen allerdings entspringt aus dieser inneren Unruhe auch eine Sehnsucht nach höchster Klarheit. Und sie beginnen mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Hier liegen im Unbewussten – lange bevor sie ans Tageslicht treten – die Ursachen für unsere äußeren Probleme, mit denen wir uns ständig herumschlagen. Bei manchen Menschen allerdings entspringt aus dieser inneren Unruhe auch eine Sehnsucht nach höchster Klarheit. Und sie beginnen mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Das bedeutet, sich von allen Wünschen und Hoffnungen zu verabschieden und dem wahren Leben hinzugeben, das sich in jedem Augenblick durch und in uns verwirklicht. Dafür brauchst du gar nichts zu machen. Wenn du einfach in voller Achtsamkeit im Hier und Jetzt lebst, wirst du dir und den anderen nichts mehr vormachen und stattdessen zu deinem eigentlichen Selbst zurückkehren.

Der Zen-Weg führt zwar nicht ins Paradies, aber regelmäßiges Meditieren bringt dich deiner wahren Natur jeden Tag ein Stück näher.

36. Woche

FAKE NEWS

Wenn jemand Lügen über dich verbreitet, kann das dich nicht kalt lassen. Das ist doch völlig normal und schreit nach Vergeltung. Aber bevor du gleich in die Luft gehst, denke einmal in Ruhe darüber nach, ob das Gerücht nicht auch als Warnung zu verstehen ist.
Ja, wenn du ehrlich bist, hätte dir die Unterstellung vielleicht wirklich passieren können. Wie gut, dass du damals davor zurückgeschreckt bis. – Oder hast du dich nicht auch schon mal an Vermutungen und Behauptungen beteiligt? So besehen, können dir Fake News auch wertvolle Hinweise für dein Leben geben.

35. Woche

MEHR SCHEIN ALS SEIN

In der materiellen Welt geht es stets um Geld, Karriere, Besitz und Vergnügen. So verbringen manche Menschen ihr ganzes Leben damit, immer mehr anzuhäufen und allen möglichen Ködern nachzulaufen. Denn sie interessieren sich für mehr Schein als Sein.
Wenn du also einmal bewundert wirst, solltest du das nicht ernst nehmen. Denn die, die dich bewundern, verstehen nichts von deiner Welt. Sie bewundern dich höchstens als Lebenskünstler. Die Praxis des Zen-Weges sollte unauffällig und bescheiden sein. Da gibt es nichts zu bewundern.

34. Woche

JEDER TAG – EIN GUTER TAG

Im Zen heißt es: Jeder Tag ist ein guter Tag. Da stellt sich die Frage: Was braucht man oder muss man tun, damit man jeden Tag wirklich genießen kann? Komm zur Ruhe und lauf nicht ständig irgendwelchen Ideen nach! Wenn es dir eines Tages gelingt, in der Meditation einmal ganz loszulassen, d.h. „auf dem Kissen zu sterben“, wirst du feststellen, dass alle deine Bedenken und Sorgen gar nichts bringen. Denn du musst eigentlich nichts Besonderes tun oder besitzen, um glücklich zu sein, sondern nur (ab heute!) jedem neuen Tag mit großer Achtsamkeit begegnen, so als wäre es einer deiner letzten. Dann wird jeder Tag ein guter Tag.

33. Woche

MEHR GELASSENHEIT PRAKTIZIEREN

Wer möchte nicht unbeschwert durchs Leben gehen und mit Gleichmut den Geschehnissen der Welt begegnen. Das Geheimnis der Gelassenheit erschließt sich allerdings nicht durch Bücher und Seminare. Gehe in dich und höre auf dein Herz: Sei mutig und tu einfach, was du tun musst, und lass sein, wovon du nicht überzeugt bist. Wichtig ist, dass du dein Leben – fest verankert in dir selbst – lebst. Vor allem mach dich frei von den Ansichten und Erwartungen der anderen. Es ist mehr wert, stets respektiert zu werden, als gelegentlich bewundert.

32. Woche

ALLES EINE FRAGE DER PERSPEKTIVE

Wenn dich in der Meditation Gedanken besetzen und forttragen wollen, mach dir diese Situation bewusst. Bist du davon überzeugt, dass alles Gedachte unmittelbar zu dir gehört? Identifizierst du dich damit, dann entsteht durch die Mixtur von Gedanken, Emotionen und Gefühlen ein trügerisches Selbstbild.
Wenn du aber die Perspektive eines neutralen Beobachters einnimmst, erkennst du, wie die Gedanken entstehen und normalerweise auch gleich wieder vergehen. Das ist alles. – Es kommt also auf die richtige Perspektive an. Du hast die Wahl zwischen Identifikation oder Befreiung.

31. Woche

DIE PRAXIS DES ERDENS

Wenn wir uns bei der Meditation zunächst immer wieder mental tief in der Erde verankern und uns der Einfachheit und Demut unseres irdischen Daseins bewusst werden, kommen wir der Wirklichkeit näher. Wir erinnern uns, dass wir alle Elemente in uns verkörpern und letztendlich die Erde selbst sind.
Wenn wir die Erde berühren, nehmen wir bewusst direkten Kontakt zu unseren Wurzeln auf und erkennen, dass wir mit all unseren Vorfahren verbunden sind. Wir sind Teil des endlosen Lebensstroms und bilden mit unseren Ahnen zusammen auch alle künftigen Generationen.

30. Woche

DER STILLE PUNKT

Indem wir unsere Meditation kultivieren und in Einklang mit den Einsichten leben, die wir dadurch gewonnen haben, werden wir irgendwann fähig sein, dauerhaft einen ruhigen Geist zu bewahren. Die Entwicklung der Konzentration ist wie jede andere Disziplin. Wenn wir Muskeln aufbauen wollen, heben wir Gewichte. Wenn wir Klavier spielen lernen, üben wir solange, bis unsere Finger nur so über die Tasten fliegen. Regelmäßige Wiederholungen bauen unsere Fähigkeiten auf. In der Meditation ist das nicht anders. Daher sollten wir stetig und sanft praktizieren, ohne schnelle Ergebnisse zu erwarten. Sobald wir unseren Geist eines Tages absolut auf einen einzigen Punkt konzentrieren können, verleiht uns das große Kraft – ein ganzes Leben lang.

29. Woche

DIE DREI SIEBE

Eines Tages kam ein Bekannter zu Sokrates gelaufen. „Höre, ich muss dir berichten, wie dein Freund . . .“ „Halt ein“ unterbrach ihn der Philosoph. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche?“ fragte der andere verwundert.
„Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft, ob es auch wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und . . .““Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“ Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil . . .“
„Nun“, unterbrach ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“ „Notwendig gerade nicht . . .“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“

28. Woche

HIMMEL UND HÖLLE

Ein japanischer Samurai forderte einst einen Zen-Meister auf, ihm Himmel und Hölle zu erklären. Doch der Weise erwiderte: „Du bist nichts als ein Flegel, mit deinesgleichen verschwende ich nicht meine Zeit.“ In seiner Ehre gekränkt, zog der Krieger sein Schwert und brüllte: „Für deine Frechheit sollst du sterben!“ „Das ist“, gab ihm der Meister gelassen zurück, „die Hölle.“
Verblüfft von dieser einfachen Weisheit über die Wut, beruhigte sich der Samurai. Er steckte das Schwert zurück und dankte dem Weisen mit einer tiefen Verbeugung für die Einsicht. „Und das“, sagte der Meister, „ist der Himmel.“

27. Woche

HAST DU MAL ZEIT?

Viele von uns haben hohe Ansprüche, aber eine niedrige Toleranz, weite Urlaubsziele, aber enge Ansichten. Wir verbrauchen mehr; aber haben weniger Freude, haben mehr Medizin, aber weniger Menschlichkeit. Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns. – Wenn wir den heutigen Tag dazu nutzen, einmal alles auf den Prüfstand zu stellen, wie unser Leben von dieser bedingten Welt beeinflusst wird, werden wir vielleicht erkennen, was wir ändern können, z.B. durch weniger Verlangen, weniger Ablenkung, weniger Entfremdung, weniger Gegeneinander. Jeder Moment des Lebens ist Übung. Wie wäre es mit mehr Achtsamkeitspraxis in Entschleunigung, Stille und Gelassenheit? Lasst es uns tun, am besten gleich!

26. Woche

GEH DEINEN WEG!

Es gibt so viele Wege wie Menschen. Manche sind steinig und voller Hindernisse, andere vielversprechend und enden als Sackgasse und wieder andere sind zwar mühsam aber durchaus lohnenswert. Wenn wir reifer werden, erkennen wir, dass unser Leben selbst der ultimative Weg ist. Je ehrlicher wir uns zu sein trauen, desto klarer wird die Richtung. – Wir müssen uns entscheiden, entweder dankbar zu sein oder uns dauernd zu beschweren, unsere leeren Hände oder geballten Fäuste zu ehren, der Wahrheit zu dienen oder der Illusion. Mit wachsendem Vertrauen gehst du deinen Weg. Nach und nach erkennst du, dass alles, was du wahrnimmst, eine Täuschung ist.

25. Woche

DER WEG NACH INNEN

Das Atmen ist die einzige Körperfunktion, die sowohl autonom als auch absichtlich gesteuert sein kann. Und daher eignet sich der Atem besonders gut als Objekt der Achtsamkeit. Denn wenn wir nämlich den Wunsch, ihn zu kontrollieren, gänzlich aufgeben können, werden wir in seinen rhythmischen Bewegungen Zeuge jener Freiheit, die in der Natur der Wirklichkeit liegt. Versuche es einmal selbst: Gib dich in der Meditation einfach dem natürlichen Atemprozess hin, bis du ihn total vergessen hast: Irgendwann, wenn Atmung und Geist im Einklang sind, geschieht es plötzlich, dass du „es“ atmen fühlst und deutlich Vertrauen ins Leben verspürst.

24. Woche

DAS GEHEIMNIS DER STILLE

Im Allgemeinen neigen wir dazu zu denken, dass Stille die Abwesenheit von Geräuschen ist. Aber was hörst du wirklich, wenn keine Geräusche da sind? Du hörst vielleicht deinen Atem oder Herzschlag – subtile Töne, die du normalerweise nicht wahrnimmst. Doch wahre Stille wird sich dir enthüllen, wenn du empfänglich wirst und wenn der Geist zu Ruhe gebracht ist. Wenn unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wirst du die Sprache der Stille hören. Das wortlose Geheimnis spricht mit dir. Und dann erkennst du, dass der mühsame Weg, den du gegangen bist, die Reise vom Verstand zum Herzen war, von Unwissenheit zu Weisheit, von Kampf zu Frieden – vom Ich zum Wir.

23. Woche

ALLES EINE FRAGE DES VERTRAUENS

Die Natur erwacht zu neuem Leben und die Welt folgt ihrem Rhythmus – nur die Menschen befinden sich derzeit im Ausnahmezustand. Für viele überwiegen die Gefühle von Unsicherheit und Angst anstelle von Hoffnung und Gelassenheit. Doch wie finden wir wieder zurück zur Zuversicht? Wir brauchen Vertrauen wie die Luft zum Atmen – und zwar alle drei Arten des Vertrauens: in uns, in andere und ins Leben selbst. D.h. neben einem gesunden Selbstvertrauen brauchen wir auch das Vertrauen zu Menschen, die Ja zum Leben sagen, uns Mut machen können, wenn wir wehleidig sind, und uns ernüchtern, wenn wir uns vorschnell an „klugen“ Einsichten festhalten wollen. Und schließlich finden wir durch die meditative Praxis das bedingungslose Vertrauen ins Leben, das uns trägt, was immer auch geschieht.

22. Woche

WUNSCHLOS GLÜCKLICH?

Wie viele Menschen essen, wenn sie gar nicht wirklich hungrig sind. Oft befriedigen wir unseren „kleinen Hunger“, wenn wir müde, deprimiert und nervös sind oder es uns an Gesellschaft mangelt. Unsere Bedürfnisse und Wünsche sind so miteinander vermischt, dass es uns schwerfällt, überhaupt zu erkennen, wann wir wirklich Hunger haben. Mit wenig zufrieden zu sein bedeutet, wirkliche Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen, ohne ihnen anzuhaften oder mehr haben zu wollen. Natürlich brauchen wir ein bestimmtes Maß an Nahrung, Bewegung, Schlaf, Sonne und menschlicher Wärme, aber viele Wünsche haben gar nichts mit unseren wahren Bedürfnissen zu tun.

21. Woche

NUR UNSERE WAHRE NATUR

In der Meditation können wir manchmal tiefe Bewusstseinszustände erlangen, in denen das Ego aufhört zu existieren. Dieses „illusorische Ich“ löst sich in der meditativen Versenkung einfach auf. Unser Geist aber ist immer noch da, hellwach und vollkommen klar. Und wir erkennen, dass da nichts ist außer reines Bewusstsein, das sich seiner selbst gewahr wird. So können wir uns davon überzeugen, dass im gegenwärtigen Nur-Sein nichts von einem Ego-Gefühl zu spüren ist. Damit brauchen wir auch nicht mehr an den Gefühlen und Stimmungen, dem Wollen, Müssen, Sollen und all den Gedanken anzuhaften, die das Ego alltäglich produziert. Und dennoch ist da etwas Geheimnisvolles tief in uns allen: Unsere wahre Natur.

20. Woche

DIE WAHRE STILLE DES GEISTES

Wer Gelegenheit hat, einmal draußen in der Natur zu meditieren, kann Klänge wahrnehmen, die er bis dahin kaum bemerkt hat, wie etwa das Seufzen des Windes im Schilf, das Knarren der Bäume, das Gurgeln des Baches oder das feinste Zirpen winziger Wesen. All das wird mit neuen Ohren gehört und erscheint wie ein Nachhall von Sphärenmusik. Wenn wir uns mit vollkommener Achtsamkeit diesen Bildern und Klängen hingeben, werden sich alle kleinlichen Alltagssorgen auflösen und die Wellen des Denkens glätten. Mit der Zeit werden auch die Schönheiten der Natur aus dem Bewusstsein verschwinden, bis nichts mehr übrig bleibt als leere Weite. Diese helle Klarheit ist die wahre Stille des Geistes.

19. Woche

ZEIT FÜR NÄCHSTENLIEBE

Wer sich ständig benachteiligt oder bedroht fühlt, hat keine Zeit für Mitgefühl und Nächstenliebe, weil er seine ganze Achtsamkeit auf die Abwehr aller möglichen Gefahren richtet. Wenn man jedoch die Ursache dafür in seinem illusorischen Ich erkennt, hat man die Chance aus dem Kreislauf der Ängste und Aggressionen auszubrechen. Denn dann wäre man bereit, das, was egoistische Personen nur für sich selbst tun, gern auch für andere zu tun. – Ein hoffnungsvolles Beispiel: Wenn heute immer mehr Menschen freiwillig Schutzmasken tragen, um andere zu schützen, dann tun sie das vielleicht auch aus Nächstenliebe.

18. Woche

NATÜRLICH ABER HART

Naturkatastrophen wie Waldbrände, Überschwemmungen und Orkane sind für die meisten von uns furchtbar und unverständlich, aber für unsere Erde ebenso nötig wie warmer Sonnenschein, Frühlingsregen und frische Brisen. Schöpfung und Zerstörung sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein Jahreszyklus umfasst Entstehen, Wachstum, Vergehen und Transformation. Alle Jahreszeiten sind einmalig wunderbar, keine ist besser oder schlechter als die andere.

Enge Verbundenheit mit der Natur führt dazu, ihre scheinbare Grausamkeit ebenso zu schätzen wie ihre liebende Güte, und damit zu einem besseren Verständnis des kosmischen Plans. Wer durch tiefe Versenkung zu den Geheimnissen des Seins vordringt, kann in jeder Veränderung eine vollkommene Manifestation des universellen Wirkens erkennen.

In Krisenzeiten wie heute tut es besonders gut, durch Felder, Wälder und Landschaften zu streifen und hierüber nachzusinnen – mit Offenheit und Toleranz für alles, was geschehen mag: Denn das hilft uns, einen Geisteszustand voller Gelassenheit und Demut zu entwickeln, für den wir sehr dankbar sein können, wenn wir es in unserem Leben einmal selbst mit Rückschlägen zu tun bekommen.

17. Woche

IM EINKLANG MIT DER NATUR

Die Natur ist perfekt und lehrt uns, das Richtige zu tun, d.h. nach ihren Gesetzen zu leben. In der Meditation spüren wir die Verbundenheit mit der Natur, indem wir uns auf den gegenwärtigen Augenblick konzentrieren. Doch das ist nicht einfach, denn unser Denken dreht sich ständig um Dinge, die längst vergangen oder noch gar nicht geschehen sind. – Sitzmeditation dient vor allem dazu, seinen Geist von überflüssigen Gedanken, Sorgen und Wünsche zu befreien. Das Richtige zu tun bedeutet auch, unser Sein mit unseren Taten zu vereinen: Reden ist Zen, Gehen ist Zen. Und seine Schuhe gründlich zu pflegen, ist natürlich ebenfalls eine Form der Zen-Meditation – genauso wie, nach Erkenntnis zu streben.

16. Woche

DER WEG INS NIRGENDWO

Für viele ist es unendlich enttäuschend, nach Jahren der Übung feststellen zu müssen, dass sie der Erleuchtung keinen Schritt nähergekommen sind. Diese Erfahrung kann jedoch zur großen Befreiung führen. Denn rückblickend wirst du erkennen, wie verblendet du warst – voller Illusionen im Dualismus verstrickt, vollkommen ichbezogen und kleingeistig. Was wir für die Wirklichkeit gehalten haben, ist es tatsächlich nicht. Wir dachten Wissen und Verstehen ist der Zen-Weg. Aber das Verblüffende ist, einfach Sitzen und Nichtstun hat unseren Geist befreit. Die simple Wahrheit ist:  Es gibt keinen Pfad zur Erleuchtung. – Wenn wir im wirklichen Nirgendwo erwacht sind, dann sind wir uns ganz sicher, dass es nichts zu erreichen gab, weil wir immer schon dort waren. Nur hatten wir ES wegen unserer Verblendung weder gespürt noch erahnen können.

15. Woche

SPIRITUELLE FREUNDSCHAFT

Eine Sangha ist so etwas wie eine spirituelle Familie, ein lebender Organismus. Das sind Menschen, die zusammen mit anderen einen guten Weg gehen wollen. Eine Gemeinschaft, die sowohl Verbindlichkeit und Geborgenheit bietet als auch Freiraum für Individualität ermöglicht. Auf jeden Fall gibt es dort jemanden, der uns zuhört und wiederaufbaut, wenn uns Schwierigkeiten und Zweifel plagen. Auch eine Sangha besteht aus Leuten mit guten und weniger guten Eigenschaften. Gemeinsam können wir von unseren Stärken profitieren und von den Schwächen lernen. Wer jedoch eine Gemeinschaft der Vollkommenen sucht, wird sehr lange suchen müssen.

14. Woche

MUT UND VERTRAUEN

Wahrhaft zu leben bedeutet, mit den Dingen zu sein, wie sie gerade sind. So kann uns jeder Moment unseres Lebens zu mehr Verständnis und Weisheit verhelfen. Dies macht die Meditationspraxis zu einem lebenslangen Prozess des Wachsens und Entdeckens. Wenn wir hinterfragen, was selbst Ausnahmesituationen uns lehren wollen, werden wir ihren Wert erkennen. Das kann beängstigend sein, aber nur durch die bedingungslose Hingabe an die Wirklichkeit können wir vollständig am Mysterium unseres Lebens teilhaben. Diese schwierige Aufgabe anzunehmen, erfordert sehr viel Mut und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.

13. Woche

EINSWERDEN MIT DER LEERE

Im Zen geht es nicht um heilige Schriften und äußere Rituale, sondern um die persönliche Erfahrung der Leerheit. Sie war immer da, und sie wird auch noch sein, wenn nichts mehr an das relativ kurze Gastspiel der Menschheit auf der Erde erinnert. Unser irdisches Dasein ist nur eine von zahllosen Möglichkeiten ihrer unendlichen schöpferischen Energie. Um die Leere in ihrer ganzen Kraft und Schönheit zu erleben, muss man eins werden mit ihr. Meditation kann uns dabei helfen.

12. Woche

KEINE ANGST VOR DER ANGST

Wir alle erleben gelegentlich Gefühle der Ungewissheit und Angst. In diesen Momenten neigen wir dazu, zu erstarren oder zu flüchten. Unsere mangelnde Bereitschaft, bei den Gefühlen zu bleiben, lässt uns innerlich in Deckung gehen, in der Hoffnung, dass die Angst verschwindet. Oder wir kämpfen gegen sie an, um uns nicht machtlos zu fühlen. Wieviel einfacher wäre es, diese Gefühle ohne Kampf und Widerstand zuzulassen. Wenn wir den Mut haben hinzuschauen, lockert sich unsere Panzerung und wir können ein wenig freier atmen.

11. Woche

VOM ICH BEFREIT

Wenn wir uns nicht mehr von der Illusion des Dualismus täuschen lassen, erkennen wir die ursprüngliche Einheit von Subjekt und Objekt, von Körper und Geist. Und wenn wir uns weder mit Dingen noch Gedanken, Emotionen usw. identifizieren, können wir die irrige Vorstellung von einem isolierten Ich-Gefühl überwinden und frei und ohne Angst durchs Leben gehen. Auch Albert Einstein hatte erkannt: „Der wahre Wert eines Menschen lässt sich daran messen, wie weit er sich von seinem Ich befreit hat“. – Im normalen Alltag müssen wir natürlich vom Ich reden, wenn wir uns miteinander verständigen wollen, – allerdings stets im Bewusstsein einer selbstlosen Perspektive.

10. Woche

DIE PERSPEKTIVE VERÄNDERN

Beim Meditieren machen wir immer wieder die Erfahrung, dass wir uns nicht konzentrieren können. Auch beim besten Willen nicht. Im Gegenteil! Je mehr wir uns anstrengen und kämpfen, desto frustrierender ist das Ergebnis. In solch einer verfahrenen Situation kann ein Wechsel der Perspektive mit einem Mantra sehr hilfreich sein, wie z.B.: „Möge ich die Kraft haben, das zu verändern, was ich ändern kann, die Geduld, zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit, den Unterschied zwischen beidem zu erkennen. Möge ich Gleichmut und Frieden finden.“

09. Woche

MEDITATION MACHT FREI

„Meditation kann dich von deinen Gedanken an Vergangenheit und Zukunft befreien. In dieser friedlichen Stille, in der auch die Zeit stillsteht, spürst du absolute „Geistesgegenwart“. Wenn du dann auch noch dein Beobachten und Bewerten aufgibst und die Realität um dich herum vergisst, wirst du vollkommene Freude und Liebe erleben. – Und was passiert, wenn du wieder in den Alltag zurückkehrst? Vergiss auch diesen Gedanken und sieh was geschieht! Vielleicht spürst du einen geistigen Wandel, der dir zu neuen Erkenntnissen und mehr Lebensfreude verhilft.“

08. Woche

ETHIK GEHÖRT ZUM ZEN

Spirituelle Praxis und ethisches Verhalten sind grundlegende Voraussetzungen für unsere Weiterentwicklung. Beides ist notwendig, um eine Balance zu finden zwischen spirituellen Werten auf der einen und dem modernen Leben auf der anderen Seite. Die Motive für ethisches Verhalten können wir aus der kosmischen Ordnung, aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit, aus der Liebe zu allem Lebendigen, zum Leben überhaupt und aus der Einsicht gewinnen, dass alles mit allem zusammenhängt.

07. Woche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

06. Woche

LEIDEN ALLEIN BRINGT NICHTS

Um seine Begierden zu bekämpfen und endlich erleuchtet zu werden, hat ein Mönch im Laufe seines Lebens auf alle Vergnügungen verzichtet. Selbst das Zölibat und regelmäßiges Kasteien sowie wochenlanges Fasten haben nichts gebracht. Jetzt am Ende seiner Tage suchte er ganz verzweifelt einen Einsiedler auf und klagte: „Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, jede Gier, jede Freude, jedes Verlangen aufgegeben, aber die Erleuchtung nicht erreicht. Was kann ich jetzt noch tun?“ Der Weise erwiderte: „Gib endlich dein Leiden auf!“

05. Woche

LEBEN OHNE ZU „KLEBEN“

„Überzogene Wünsche und Begierden führen fast immer zu Kummer und Sorgen. Begehren muss aber nicht die Quelle für menschliches Leid sein. Im Gegenteil: Es kann auch die Ursache für Glück und Zufriedenheit sein. Wo wären wir heute ohne Forscherdrang und Entdeckergeist, ohne Streben nach Eigentum und Sicherheit? Begehren und Sehnen sind ganz natürliche menschliche Bedürfnisse und gehören zum Leben wie Hunger und Durst. – Nicht besitzen wollen, hat in Asien eine andere Bedeutung als bei uns. Es heißt nicht, auf alles zu verzichten, sondern sich frei zu machen von der Idee, dass man überhaupt etwas real besitzen kann. Mit anderen Worten: Begehren, ohne anzuhaften, macht frei!“

04. Woche

ZUM SCHWEIGEN BRINGEN

„Sobald wir die Tätigkeit dieses rastlosen Intellektes zum Schweigen bringen können, geben wir dem intuitiven Bewusstsein, dem reinen, allverbundenen Geiste in uns, Gelegenheit, sich zu manifestieren“.    Lama Anagarika Govinda

03. Woche

ES IST HÖCHSTE ZEIT!

Nichts kehrt sich in sein Gegenteil, ehe nicht das Äußerste erreicht ist, prophezeit eine chinesische Weisheit. Das würde bedeuten, dass die drohende Klimakatastrophe kaum noch zu stoppen ist. Dabei fehlt es durchaus nicht an warnenden Expertisen, sondern liegt vor allem am politischen Willen sowie am Egoismus großer Teile der Gesellschaft. Es ist höchste Zeit, die Abhängigkeit des Menschen von Umwelt und Natur zu erkennen, um den ökologischen Kollaps der Erde durch ambitionierte Gegenmaßnahmen zu verhindern.

02. Woche 2020

SIND WIR NOCH ZU RETTEN?

Armut, Hunger, Gewalt und Grausamkeit auf der einen Seite. Und gleichzeitig die Gier nach Macht, Reichtum, Sicherheit und Sinneslust auf der anderen. Wenn man sich dann unsere Gesellschaft vorstellt mit ihrem Überfluss, ihrer Luxuswerbung und dem Verharmlosen von Klimakrise und Flüchtlingselend, muss auch dem Letzten klar werden, dass wir uns fundamental in die falsche Richtung bewegen. Da fallen einem nur noch die sarkastischen Worte ein: „Es gibt kein größeres Leid als das, was sich der Mensch selbst andeit.“ Sind wir noch zu retten?

53. Woche 2019 / 01. Woche 2020

ACHTSAM DURCH DEN ALLTAG

„Vielleicht trinkst du täglich Tee zum Frühstück. Aber eines Morgens ist alles anders. Du schenkst dir Tee ein, führst die Schale zum Mund und plötzlich wird dir klar: Noch nie hat der Tee so intensiv geduftet und der erste Schluck so köstlich geschmeckt. Hellwach spürst du, wie der Tee in deinem Mund zu einem Teil von dir wird. So bewusst hast du das Teetrinken bisher niemals wahrgenommen. Durch dein achtsames Tun verschwindet die Außenwelt und öffnet sich das innere Bewusstsein für eine solche Erfahrung. Indem wir Achtsamkeit im Alltag praktizieren, erleben wir die Wirklichkeit mit allen Sinnen.“

52. Woche

KOMM IN STILLE ZU DIR

Voller Leben, voller Bewusstsein, voll von einer unbeschreiblichen Sensibilität bist du zur Welt gekommen. Schau mal einem kleinen Kind in die Augen und nimm diese Frische wahr. All das wird im Lauf des Lebens bei den meisten Menschen von einer falschen Persönlichkeit zugedeckt. Wenn du das wieder loswerden möchtest, was dein wahres Wesen verschleiert, brauchst du nur in Stille zu dir zu kommen. Durch Meditation wirst du dann allmählich eine echte Lebendigkeit und geistige Gesundheit verspüren, die wieder aufblüht und Früchte trägt, weil sie in dir wurzelt.

51. Woche

EHRGEIZ MACHT BLIND

Will ein Bogenschütze einen Preis gewinnen, wird er unruhig. Schießt er gar um einen Goldpokal, trübt sich sein Blick und er gerät außer Fassung. Sein Können ist ihm nicht verloren gegangen, doch der Ehrgeiz macht ihn blind. Nicht das Ziel selbst bereitet Probleme, sondern der Grad der Anhaftung, mit der es verfolgt wird. Erst wenn der Bogenschütze schießt, ohne an den Erfolg zu denken, kann er seine ganze Kunst entfalten, hat der chinesische Philosoph Tranxu erkannt.

50. Woche

SCHÖN SCHLICHT, ABER . . .

Es mag einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten, Roben und Räucherwerk bei der Meditation zu erleben, aber das alles hat Buddha so nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Nur äußerliche Erfüllung von Geboten war auch Jesus zuwider. Für den Zen-Weg und die Meditation braucht man nichts Äußeres. Deshalb achten wir darauf, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird. Natürlich kann der äußere Rahmen auch „schön schlicht“ sein, aber auf die innere Einstellung kommt es an.

49. Woche

WAS WIRLICH ZÄHLT

„Wirst du unruhig, wenn du mal alleine bist? Brauchst du ständig Zerstreuung durch Radio, TV, Smartphone oder PC? Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mal keine Netzverbindung besteht. Denn das, was du an Unterhaltung vermisst, hat sowieso keinen bleibenden Wert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Es gehört nicht dir. Das bist du nicht. Wenn das Vergängliche und Unwesentliche nicht länger das Zeitlose und Echte in dir verdeckt, kommt das ans Licht, was wirklich zählt: Deine wahre Natur“.

48. Woche

WARUM SO UNZUFRIEDEN?

Hast du oft das Gefühl, dass das, was du tust oder erreichst, nicht gut genug ist? Ständige Unzufriedenheit kann unser ganzes Dasein vergiften. Heilung für dieses Problem ist aber durchaus möglich: Wir müssen nur erkennen, dass wir das Leben nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Wenn es gelingt, unsere selbstbezogene Perspektive abzulegen, brauchen wir weder den Vergleich mit anderen noch unsere eigene Unzulänglichkeit zu fürchten. Dann können wir unser Leben – zwar weniger perfekt, aber glücklicher – zum Wohl der Welt leben.

47. Woche

EINE SCHALE, EIN GEWAND

Mein Leben mag traurig erscheinen,
aber auf der Reise durch diese Welt
habe ich mich dem Himmel anvertraut.
In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
beim Herd ein Bündel Feuerholz.
Wenn jemand nach den Kennzeichen
von Erleuchtung oder Illusion fragt,
ich kann es nicht sagen –
Wohlstand und Ehre sind bloß Staub.
Wie der Abendregen fällt,
sitze ich in meiner Einsiedelei
und strecke beide Füße aus als Antwort.

Zen-Gedicht von Meister Ryôkan, der vor
rund 200 Jahren als Eremit in Japan lebte.

46. Woche

NUR DER WANDEL BLEIBT

Vergänglichkeit ist längst passé. Es gibt nur Wandel – von einer Energieform in die andere. Im Universum geht nichts verloren. Alles ist letztendlich nur Weiterführung. Die Wolke vergeht nicht, sondern verwandelt sich irgendwann in Regen. Aus Regen entsteht die Wasserader und die Fortsetzung der Wasserader ist die Quelle. Aus der Quelle wird ein Bach, dann ein Fluss, der schliesslich ins Meer mündet. Und die Weiterführung des Meeres ist die Wolke. Wo ist da ein Anfang oder Ende? Kein Entstehen, kein Vergehen – nur Wandel ohne Ende. Nichts bleibt, wie es ist.

45. Woche

VOM EGO ZU WIR

„Beruhigt sich der Atem – beruhigt sich der Körper – beruhigt sich der Geist. Erst wenn dein Geist in der Meditation vollkommen ruhig und klar ist und unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wird sich dir das Geheimnis der Stille enthüllen. Wenn du absolut empfänglich bist, wirst du die wortlose Sprache der Leere verstehen. Dann erkennst du, dass der Zen-Weg, die beschwerliche Reise vom Verstand zum Herzen war, von Logik zu Weisheit, von Gier zu Gleichmut – vom Ego zum Wir.“

44. Woche

OHNE ZWEIFEL KEIN DURCHBRUCH

Wenn man sich entschieden hat, den Zen-Weg zu gehen, wird man von Zeit zu Zeit von Zweifeln heimgesucht. Diese Art Verunsicherung kann auch eine Energiequelle für unsere Praxis sein; denn vor jedem großen Durchbruch herrscht meist ein großer Zweifel. Aber wenn man ständig alles anzweifelt, sich von allem distanziert und eine spirituelle Weiterentwicklung immer wieder hinauszögert, wäre es vielleicht heilsam und inspirierend, endlich mal an seinem Zweifel zu zweifeln.

43. Woche

WARUM SO UNGEDULDIG?

Grenzenlose Geduld ist die Voraussetzung, um höchste Erkenntnis und ihre Verwirklichung zu erlangen. Doch wieviel Geduld kann ein Mensch in unserer heutigen Zeit, in der alles immer noch schneller gehen muss, eigentlich erdulden? Auch das ist alles nur eine Frage der Übung. Willenskraft und Ausdauer lassen sich antrainieren und können uns zu mehr Besonnenheit, Standhaftigkeit, Sanftmut und Weisheit verhelfen. So betrachtet, kann ein geduldiger Mensch auf der Suche nach der Wahrheit eigentlich alles erreichen.

42. Woche

GELASSENHEIT UND VERTRAUEN

Wer spürt nicht hin und wieder den Wunsch, das eigene Leben von Grund auf spirituell auszurichten. Dafür ist es nie zu spät, aber auch nie zu früh. Wir brauchen den Weg nur bewusst zu gehen, Schritt für Schritt. Aus diesem tiefen Verlangen erwächst die Kraft, unsere Meditation verbindlich zu praktizieren und zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir einmal die Sicherheit in uns gefunden haben, dass wir, was auch immer im Leben geschieht, dem Weg und der Praxis treu bleiben, so verleiht uns das Gelassenheit und Vertrauen.

41. Woche

LEBE DEIN LEBEN

Wer ständig unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten das zu ändern: Es gibt ´ne Menge Leute, die dir sagen möchten, wie du dein Leben leben solltest. Aber sei vorsichtig! Guter Rat muss nicht teuer sein. – Oder: Anstatt dir andauernd zu wünschen, woanders zu sein und etwas anderes zu tun, suchst du die Antwort in dir selbst. Doch mach zuerst das, was jetzt erledigt werden muss. Dann setz dich auf dein Kissen und höre auf dein Herz. Alles andere ist überflüssig.

40. Woche

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

„Nur im zeitlosen Augenblick können wir uns jenem intuitiven, stillen Erkennen der Wahrheit nähern. Wenn wir den Geist beruhigt und gesammelt haben, wird uns vieles klarer. Wir durchschauen das Entstehen und Vergehen – und auch, wie wir uns dazu verhalten. Wir finden heraus, was unser Herz verschließt und wie wir es öffnen können. Dieser Weg – die Einsichts-Meditation – ist zwar einfach, aber keineswegs leicht. Doch: Übung macht den Meister!“

39. Woche

FREI DURCH SANNFTE DISZIPLIN

„Solange du von Wünschen und Gefühlen beherrscht wirst, fällt es dir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren. Eine der großen Kräfte und Stärken des Geistes, die wir als Gegengewicht zu den Begierden nutzen können, ist die Selbsteinschränkung. Wenn du diesen Weg einschlägst, wirst du die enge Beziehung von Selbsteinschränkung und Freiheit erkennen und dich schließlich auf „eine sanfte Art von Disziplin“ selbst befreien.“

38. Woche

GIB NIEMALS AUF

Möglicherweise hast du im Moment das Gefühl, dass dein Zen keine Fortschritte macht und überhaupt . . .  Gib bloß nicht auf – niemals. Alles, was deinen Weg blockiert, ist vielleicht nur die Idee, stecken zu bleiben. Lass diese Vorstellung los, praktiziere weiter und du wirst sehen, die Hindernisse lösen sich in Luft auf und du kannst ungehindert weitermachen. Meistens folgen auf große Zweifel ebenso große Fortschritte.

37. Woche

EINFACH GANZ NATÜRLICH

„Zazen ist natürlich und einfach,
wie jede alltägliche Handlung
(essen, trinken, wach sein, schlafen, …).
Ohne Anstrengung. Bewusst. Absichtslos.
Einfach nur sitzen. Einfach nur sein.“
von Britta Averbrock

36. Woche

SEI DAS MEER

„Einatmen, Ausatmen  –  Ebbe, Flut
Sonne, Mond  –  Tag, Nacht  –
Mehr ist es nicht.  –  Sei die Welle!  –  Sei das Meer!“
von Britta Averbrock

35. Woche

BLEIB AUTHENTISCH

Es ist nicht Ok, wenn du dir Mühe gibst, nett und tugendhaft zu sein, ohne dass du dich wirklich so fühlst. Die Welt hat genug Heuchler. Bleib authentisch, Zen wird auf dich aufpassen. Folge nur deinem Atem. Beobachte, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Zu einfach?    Aber das ist das Geheimnis!

34. Woche

MACH KLAR SCHIFF

Wenn dein Kopf voller Wünsche und Vorstellungen ist, hast du keinen Durchblick. Zen erscheint dir dann viel zu verwirrend. Aber das ist nicht so. Wir sind es nur nicht gewohnt, mit solcher Einfachheit umzugehen. Also räum deinen Geist auf, mach klar Schiff!

33. Woche

BRINGE LEBEN IN DIE BUDE

Wenn dein Heim dein ganzer Stolz ist, dein wichtigster Besitz, lass es nicht zu deinem Gefängnis werden. Stelle dir vor, es wäre nur eine Herberge, in der du zufällig Tag für Tag wohnst und wo sich hin und wieder Freunde und auch Fremde begegnen. Bring Leben in die Bude!

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